Magazinrundschau - Archiv

Haaretz

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Magazinrundschau vom 26.04.2004 - Haaretz

Mitten in der Negev-Wüste, 25 Minuten entfernt von der Ben-Gurion-University entsteht eine alternative Studentensiedlung, über die Vered Levy-Barzila in der Titelgeschichte berichtet. "Bitte, beschreibt uns nicht als asketische Idealisten", sagen die Gründer, acht israelische Mittzwanziger aus Jerusalem. Sie sehen sich als Pioniere und Jungunternehmer, die der Oberflächlichkeit des heutigen Lebens in Israel entfliehen wollen. Levy-Barzila zitiert einen der Gründer, Micha Freind: "Es gibt eine Erziehungslücke in der Generation unserer Eltern. Es ist nicht so, dass sie etwas falsch gemacht haben. Sie haben es so gut gemacht wie sie konnten. Sie haben sich halb tot geschuftet und uns dann gesagt: 'Ihr Kinder werdet die großen Ideologien vergessen. Wir haben für euch die Infrastruktur gebaut, diese Phase ist vorbei, und jetzt geht los und macht euer eigenes Ding.' Das ist eine Fiktion. Was ist vorbei? Nichts ist vorbei. Sie lagen falsch. Wenn sich also nur noch um die eigene Person dreht, gibt es kein Glück. Viele junge Leute wurden in diese Fiktion hineingezogen und leben jetzt in einer Blase."

Sicher nicht einziehen wird dort der israelische "Mr Saturday Night" Yoav Tzafir, den Neri Livneh als Produzenten seichter, aber erfolgreicher Reality-Shows vorstellt. In drei weiteren Porträts geht es zunächst um den 91-jährigen Ex-General Yitzchak Pundak, der noch immer von der Niederlage bei Nitzanim im Unabhängigkeitskrieg 1948 verfolgt wird, sowie den Basketball-Shootingstar David Bluthental und schließlich die Künstlerin Nelly Agassi, die derzeit mit einer Performance, in der "nichts passiert", das Tel Aviv Museum of Art füllt.

Außerdem: Uri Klein lobt überschwänglich den in der Cinematheque Tel Aviv anlaufenden Kinofilm "Arna's Children" und empfiehlt den Lesern: "Schaut Euch diesen Film an, er ist wichtig!" Das wöchentliche Familienporträt bietet interessante Einblicke in den Alltag der drusischen Kleinstadt Daliat al-Carmel.
Stichwörter: Tel Aviv, Basketball, Haaretz

Magazinrundschau vom 19.04.2004 - Haaretz

Zunächst zwei kulinarische Berichte: Haim Handwerker erklärt ausführlich, warum die im Nahen Osten gern verspeiste Kichererbsenpaste Humus in den USA immer beliebter wird, und Gadi Shimshon stellt unter dem Titel "Make Halva, Not War!" den Schriftsteller und Computerexperten Eli Swed vor, dessen Firma Heke arabische Produkte aus der Westbank nach Israel importiert, und der sagt: "Es geht mir nicht um Frieden - sondern um Genuss." Arabisches Essen ist seiner Meinung nach einfach besser als israelisches. Ganz oben auf seiner Liste stehen Tahine aus Nablus, Olivenöl aus Meskha, Kuchen und Gebäck aus Ost-Jerusalem und Sesambretzeln aus Beit Hanina.

In der Titelgeschichte des Magazins der israelischen Tageszeitung Haaretz betrachtet Aviv Lavie die "separation fence intifada", die sich gegen den israelischen Bau des Trennzauns auf palästinensischem Gebiet richtet. Obwohl dieser Widerstand gewaltfrei ausgetragen wird, geht die israelische Armee immer wieder hart gegen die Demonstranten vor. Dennoch könnte der gewaltfreie Protest ein Vorbild sein für eine neue Form des Widerstandes gegen die Besatzung, meint Lavie. Auch viele israelische Friedensaktivisten glauben an die politische Macht gewaltloser Proteste - und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel.

Weitere Artikel: Aviva Lori erzählt die ergreifende Geschichte der Brüder Yitzchak und Dov, die nach sechzig Jahren des Schweigens mit der Schriftstellerin Malka Adler erstmals über den Holocaust und ihr eigenes Überleben sprachen. Weiter gibt es ein Porträt des israelischstämmigen Filmkritikers Emanuel Levy, der seit den siebziger Jahren in den USA lebt und nun ein Buch über die Geschichte der Oscar-Verleihung ("All About Oscar") veröffentlicht hat, sowie einen Artikel über ein von Abraham Kandel geleitetes Institut in Florida, das sich mit der Abwehr von terroristischen Aktivitäten im Internet beschäftigt (leider funktioniert die Homepage nicht).

Nur in der hebräischen Online-Ausgabe: "Über Politik, Triebe und menschliche Gefühle" - Eine Politfarce um den Aufstieg einer Provinzrichterin aus Petach Tikva und ein Porträt des exzentrischen Lazy Gordon, Sportkommentator und ehemaliger Basketballprofi (mehr hier).