Wir haben vor einiger Zeit schon mal auf das
phantastische Übersetzungsprojekt der rumänischen Kulturzeitschrift
Observator Cultural hingewiesen. Inzwischen sind die Dinge vorangeschritten - und zwar auf Englisch, Französisch,
Deutsch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch und Polnisch. Die erste Ausgabe war dem Schriftsteller
Stefan Banulescu gewidmet, die zweite
Gheorghe Craciun - mit einem
Auszug aus Craciuns Roman "Pupa Russa" und einem
Essay von Caius Dobrescu, der Craciun als "Bertrand Russell Wagner'schen Odems" vorstellt.
Die nunmehr dritte Ausgabe ist dem Autor
Stelian Tanase gewidmet. Es gibt einige Dinge, "die ein potentieller
Leser rumänischer Literatur gerne wüsste",
behauptet einleitend und völlig zu Recht die Übersetzerin und Autorin
Jean Harris, zugleich Direktorin des Übersetzungsprojekts. Zum Beispiel, dass "Rumänien Weltmeister im Geschichtenerzählen (ist), weil es Weltmeister der Regimewechsel ist". Bevor Harris konkret auf den Schriftsteller Stelian Tanase eingeht, gibt sie einen kurzen Abriss der rumänischen Geschichte und Grundvoraussetzung
der rumänischen Literatur: "Langfristig betrachtet zählt die Feststellung, dass das rumänische Problem immer schon war, '
wie man es schafft,
zu überleben'. Oft genug war es 'wie man es schafft, nicht zu sterben'. Und oft war es auch 'wie man stirbt' - wie man eine
geistige Haltung findet, durch die man sich den Tod zum Freund macht. In diesem Kontext ist das Geschichtenerzählen auf mehreren Ebenen mit einer Erlösung gleichzusetzen." Bei Tanase speist sich diese geistige Haltung aus dem
Blues.
Außerdem: eine kurze
Vorstellung von Tanases Roman "
Leuchtkörper" und eine
Leseprobe.