Magazinrundschau - Archiv

Time

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 09.12.2025 - Time

In Pakistan hält sich das Gerücht, der ehemalige Premier Imran Khan sei im Gefängnis gestorben. Das stimmt nicht, versichert der Autor Mohammed Hanif, Khan lebt noch. Dass er im Gefängnis sitzt, war allerdings vorhersehbar. "In den letzten fünf Jahrzehnten musste jeder gewählte Premierminister Pakistans irgendwann in seiner Karriere eine Gefängnisstrafe verbüßen. Das ist fast schon eine berufliche Voraussetzung." Außer Zulfikar Ali Bhutto ist auch jeder wieder "lebend aus dem Gefängnis herausgekommen, und einige sind sogar wieder an die Macht zurückgekehrt. Es gibt eine einfache Formel: Irgendwann während ihrer Haft schließen sie einen Deal mit dem Militär, gehen ins Exil und warten auf bessere Zeiten. Die pakistanische Armee hat ein Drehbuch für den Umgang mit Premierministern, die ihren Titel ernst nehmen, während die Politiker ihre eigenen Tricks haben, um der Gefängniszelle zu entkommen." Dummerweise hat Khan, dem die Militärs einst in den Sattel geholfen haben, nichts anzubieten für einen Deal. Also sitzt er. "Unterdessen hat General Asim Munir, der Chef der pakistanischen Armee, in einem beispiellosen Akt seine Macht konsolidiert und kürzlich eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm auch das Kommando über die Marine und die Luftwaffe überträgt, seine Amtszeit von drei auf fünf Jahre verlängert und ihm das Privileg gewährt, lebenslang in Uniform zu bleiben sowie lebenslange Immunität vor Strafverfolgung zu genießen. Die Generäle haben sogar ihren begrenzten Bedarf an einem gehorsamen Premierminister reduziert. ... Khans politische Gegner, die alle aus demselben Gefängnis geflohen sind, in dem Khan untergebracht ist, haben sich ins eigene Fleisch geschnitten, um ihm eins auszuwischen. Nach der jüngsten Verfassungsänderung, die Munirs Macht erweitert hat, haben sie praktisch den geringen politischen Einfluss, den sie noch hatten, an das Militär abgegeben. Behaltet ihn, und wir werden alles tun, was ihr von uns verlangt, scheinen sie zu sagen. Es überrascht nicht, dass in einem Land mit einer langen Geschichte von Staatsstreichen die Armee froh ist, sich ihre Marionetten aussuchen zu können, die ihre Befehle ausführen. So muss sie nicht mal die Militärherrschaft ausrufen."

Magazinrundschau vom 22.08.2023 - Time

Janell Ross schreibt über die immer lauter werdenden Forderungen nach Reparationszahlungen von ehemaligen Sklavenhaltergesellschaften an die Nachfahren der Versklavten. Sie macht sich auf nach Barbados, wo die Bewegung in besonderem Maße an Fahrt aufnimmt. Einen der Gründe hierfür sieht Ross in der besonders hohen Profitrate der historischen Sklaverei auf der Karibikinsel: "Die enormen Profite inspirierten das weltweit erste Sklavereigesetz, erlassen in Barbados in 1661. Das Gesetz regelte Rechten und Pflichten im Alltagsleben schwarzer und weißer Menschen, und es brachte Glaubenshaltungen hervor, die teilweise heute noch verbreitet sind, wie Kevin Farmer, Direktor der Barbados Museum and Historical Society mir erzählt. Die Profite waren so enorm, dass Goßgrundbesitzer aus Barbados zu den Investoren gehörten, die die British East India Company finanzerten. Im 18. Jahrhundert trug einer der Nachkommen von James Drax dazu bei, das wortwörtliche Buch 'Instructions for the Management of Negros' zu verfassen, in dem beschrieben wird, wie Geschäfte nach Ansicht der Plantagenbesitzer von Barbados zu führen sind." Bis heute besitzt die Drax-Familie 600 Hektar Land und Drax Hall auf Barbados. "Richard Drax ist auch der größte einzelne Landbesitzer in der englischen Grafschaft, die er im Parlament vertritt. Das ist das Besondere an einer Insel, auf der auch heute noch nur knapp 285.000 Einwohner leben. Menschen und Orte sind eng miteinander verbunden. Die vergilbten Aufzeichnungen in den Nationalarchiven von Barbados und im Museum stellen eine Verbindung zwischen bestimmten, aber längst verstorbenen Personen und den Lebenden her."
Stichwörter: Barbados, Sklaverei, Reparation

Magazinrundschau vom 20.07.2021 - Time

Simon Shuster berichtet von Dokumenten, die Pläne des amerikanischen Unternehmers und Gründers der Söldnerfirma Blackwater Erik Prince offenbaren, in der Ukraine eine private Armee aufzubauen: "Der Bericht über Princes Ambitionen in der Ukraine gründet auf Interviews mit sieben Quellen, darunter jetzige und ehemalige US- und ukrainische Beamte und Personen, die unmittelbar mit Prince zusammengearbeitet haben, um seine Pläne in der Ukraine umzusetzen. Diese Pläne wurden von vier der Quellen auf beiden Seiten bestätigt. Die Dokumente beziehen sich auf eine Reihe von Vorhaben, die Prince zu einer zentralen Figur in der ukrainischen Militärindustrie und im anhaltenden Konflikt mit Russland machen würden. Die Dokumente beziehen sich auf mehrere bisher nicht bekannte Vorhaben, die Prince sich von der ukrainischen Regierung genehmigen lassen wollte, darunter eine private Armee aus Veteranen des Krieges in der Ostukraine, eine Munitionsfabrik sowie die Zusammenführung der ukrainischen Luft- und Raumfahrtunternehmen zu einem Konsortium, das in einer Liga mit Boeing und Airbus spielen könnte. Zumindest eins der Angebote an die Ukraine scheint mit den geopolitischen Interessen der USA komform zu gehen. Wie das Wall Street Journal erstmals im November 2019 berichtete, konkurriert Prince mit einem chinesischen Unternehmen um den Kauf einer ukrainischen Fabrik namens Motor Sich, die Flugzeugmotoren herstellt. China wollte die Triebwerke für seine Luftwaffe. Die USA bitten die Ukraine seit langem, dem Verkauf an China nicht zuzustimmen. Prince trat als amerikanische Alternative in Erscheinung und bot an, die Fabrik aus den Fängen Chinas zu retten." Allerdings gibt es in der Ukraine Vorbehalte gegen die Zusammenarbeit mit Prince. Einer seiner engsten Partner vor Ort wird der Spionage für Russland bezichtigt.

Magazinrundschau vom 02.02.2016 - Time

Jared Malsin schildert am Beispiel des Angestellten Ali Hassan Ali die Situation in Ägypten, fünf Jahre nach dem Beginn des Arabischen Frühlings. Ali, eigentlich ein eher unpolitischer Mensch, ließ sich von seinem Sohn Mohab mit zu den Demos ziehen. Nachdem Mohab von Sicherheitskräften erschossen worden war, wurde Ali selbst zum politischen Aktivisten, der unermüdlich Aufklärung über die Tötung tausender Demonstranten durch Sicherheitskräfte erst unter Mubarak, dann unter Morsi und schließlich unter al-Sisi fordert. "'Ali repräsentiert die dauerhafteste Folge des Aufstands', sagt Rabab El Mahdi, ein Politologe an der Amerikanischen Universität in Kairo. 'Menschen, die nichts mit Politik zu tun hatten, wurden politisiert und veränderten sich auf einer sehr tiefen Ebene - nicht nur in ihren Ansichten, sondern das Öffentliche wurde zum Privaten, in jedem Wortsinn. Das ist etwas, was keine Form der Repression und kein Rückschritt uns wegnehmen kann.'" Ali jedenfalls glaubt immer noch an die Möglichkeit von Veränderungen.

In diesem Zusammenhang ebenfalls zur Lektüre empfohlen sind der Rückblick von zehn arabischen Autoren auf den arabischen Frühling (wir haben letzten Montag bereits in 9punkt darauf hingewiesen) sowie ein langer Auszug aus Jack Shenkers gerade erschienenem Buch "The Egyptians: A Radical Story", beides im Guardian.

Magazinrundschau vom 09.12.2014 - Time

Lev Grossmans Riesenporträt über Mark Zuckerberg in Time hat vor allem wegen der Interviewäußerungen, in denen Zuckerberg Apple angreift, viel von sich reden gemacht. Sicher nicht ohne Erinnerung an Steve Jobs charakterisiert Grossmann den Facebook-Gründer so: "Er ist extrem intelligent, aber er hat nichts von jenem übertriebenen Selbstbild oder Selbstzweifel, die eine solche Intelligenz häufig begleiten. Seine Seele ist, wie sein Jungengesicht, ganz ohne Falten. Seine Bewegungen sind zielgerichtet: Wenn er etwas will, dann hetzt er seinen mächtigen und gefräßigen Verstand darauf und kommt dann in der Regel mit der Beute, die er sanft zwischen den Kiefern hält und allenfalls ein bisschen gezaust hat, zurück."

Magazinrundschau vom 12.08.2008 - Time

George Orwell ist zwar schon ein Weilchen tot, aber er führt jetzt auch ein Blog, berichtet Camille Agon für Time. Seine Tagebücher werden Tag für Tag genau siebzig Jahre danach ins Netz gestellt: "Von 1938 bis 1942 geschrieben handeln diese Tagebucheinträge von den ersten Tagen des Zweiten Weltkriegs, aber auch von Orwells Reisen nach Marokko, wo er sich von den Verwundungen aus dem spanischen Bürgerkrieg erholte. Es gibt auch eine Menge Einträge über die Haltung von Hühnern."
Stichwörter: Marokko, Orwell, George, Camille