9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2019 - Religion

Ist der Islam vereinbar mit dem Rechtsstaat? Der im Februar gestorbene Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde bezweifelte das, wie Martin Rhonheimer vor einigen Wochen in der NZZ erklärte (unser Resümee). "Die Konjunktur der Böckenförde-Rezeption ist an sich ein Alarmsignal. Sie lenkt den Fokus weg von verantwortlicher Religionspolitik, hin zu einer unheilvollen Diskussion über angeblich vorhandene oder nicht vorhandene kulturelle und religiöse Dispositionen", antwortet heute Amir Dziri, Professor für Islamische Studien in Freiburg, in der NZZ. "Liberale und autoritäre Grundeinstellungen sind globale Phänomene und daher gerade nicht kulturspezifisch. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich auch innerhalb von Gesellschaften mit muslimischer Mehrheit eklatante Unterschiede auftun. Die Annahme, Muslime seien durch ihre religiöse Zugehörigkeit auf ein bestimmtes Verständnis von Staat und Gesellschaft festgelegt, widerspricht aller geschichtlichen und aktuellen Wirklichkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2019 - Religion

In sechs Bundesländern gibt es bisher Islamischen Religionsunterricht an Schulen. Durch seine bloße Existenz fühlten sich viele Muslime und Musliminnen akzeptiert und gewertschätzt, lernt Joachim Wagner aus den Evaluationsberichten. Sehr schön. Noch besser hätte er aber gefunden, wenn der Unterricht auch in entgegengesetzter Richtung gefruchtet hätte, wie er in der Welt schreibt: "Hier ist für die Schulen noch viel Aufklärung zu leisten. Das gilt auch für den Absolutheits- und Überlegenheitsanspruch des Islam. In Niedersachsen meint immer noch ein knappes Drittel (30 Prozent) der türkischen Jugendlichen, dass der 'Islam die einzig wahre Religion ist' und 'alle anderen Religionen weniger wert sind'. In NRW fanden sogar 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf weiterführenden Schulen, dass der Islam die 'wahre Religion' ist, und 98 Prozent, dass 'Allah der einzige Gott ist'. Verantwortlich für dieses fest gefügte Religionsbild ist vermutlich die religiöse Erziehung im Elternhaus und in den Koranschulen. Eine Hoffnung bei der Einführung des IRU war, durch ihn Koranschulen das Wasser abzugraben. Sie hat sich nicht erfüllt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2019 - Religion

250 Millionen Euro gab der Bund für die Luther-Dekade, allein 520.000 Euro gingen an ein "Luther-Pop-Oratorium", das das ZDF übertrug, schreibt Gisa Bodenstein bei hpd.de unter Bezug auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage bei dem Portal FragDenStaat: "Insgesamt war das Lutherjahr zwar alles andere als erfolgreich, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter dem wenig schmeichelhaften Titel 'Luther ist die Pleite des Jahres' analysierte, jedoch kann Erfolg an dieser Stelle kein Maßstab für die Förderungswürdigkeit sein. Es geht hier nämlich um etwas ganz Anderes: Martin Luther ist der - wenn auch nicht vorsätzliche - Gründervater der Evangelischen Kirche. Und es ist sehr wohl ein innerkirchliches Ereignis, das Jubiläum seines angeblichen Thesenanschlages oder seine Übersetzung der Bibel zu feiern."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2019 - Religion

Vor einem Monat beschrieben die Historiker Heiko Heinisch und Nina Scholz in der FAZ den islamistischen "Marsch durch die Institutionen", alleine das Netzwerk der Muslimbruderschaft bestehe aus über zweihundert Organisationen. (Unser Resümee) Die eigentliche Gefahr sei der Salafismus, entgegnet nun der Jurist Rudolf Steinberg ebenfalls in der FAZ, der die Muslimbrüder verteidigt: "Die Aufzählung irgendwelcher Einrichtungen der Muslimbrüder in Europa ersetzt nicht klare Angaben, an welchen Stellen konkret die Muslimbrüder institutionell auf dem Vormarsch seien. Haben sie erfolgreich politische Parteien gegründet, sitzen sie in Parlamenten oder wenigstens Gemeindevertretungen, dringen sie als Lehrer in die Schulen, als Richter in die Gerichte oder auch als Journalisten in die Redaktionen?"
Stichwörter: Muslimbruderschaft

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2019 - Religion

Der Theologe Jan-Heiner Tück beschreibt in der NZZ, wie schwer sich die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal mit Reformen tut: "Die katholische Kirche ist als Weltkirche von einer Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Denkweisen geprägt. Nicht nur in Afrika denkt, tickt und fühlt man anders als in Deutschland, das ist schon in Polen und Kroatien so. Hinzu kommt die Polarisierung der deutschen Ortskirche. Während manche Akteure bereits zum Ungehorsam aufrufen, sprechen andere vom 'Missbrauch des Missbrauchs' und wittern Traditionsverrat. Tatsächlich könnte das Pochen auf universalkirchliche Rückbindung auch eine Immunisierungsstrategie sein, Reformen einfach auszusitzen. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2019 - Religion

Es ist falsch, "Islamismus" mit Gewalt zu assoziieren, schreiben die Historiker Heiko Heinisch und Nina Scholz in der FAZ, im Gegenteil: der  "legalistische" Islamismus, der Gewalt nur taktisch in Erwägung zieht, sei in seinem "Marsch durch die Institutionen" mit antidemokratischer Agenda viel effizienter: "Die ersten Schritte des politischen Islams in Europa blieben der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Selbst als in den neunziger Jahren ein islamistisches Gründungsfieber ausbrach, interessierten sich weder Politik noch Medien dafür. Heute verfügt der politische Islam über ein dichtes Netzwerk an Organisationen, Unterorganisationen und Moscheen. Allein das Netzwerk der Muslimbruderschaft besteht nach Schätzungen derzeit aus über zweihundert Organisationen, zahlreichen Bildungseinrichtungen und unzähligen Moscheen in Europa, Tendenz steigend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2019 - Religion

Auf Zeit online kritisiert die Theologin Doris Reisinger scharf das Frauenbild der Katholischen Kirche. Es habe sich kaum verändert, Franziskus hin oder her: Auch wenn heute "sogar Bischöfe sagen, dass Frauen zukünftig vermehrt in Leitungsämter kommen sollen. Sobald die Frau die Augen öffnet, sieht sie sich mit der unabweislichen Realität konfrontiert: Auch Frauen, die sogenannte Leitungsämter in der Kirche innehaben, bleiben durch die Bank von männlichem Wohlwollen abhängig. Ämter und Lehrerlaubnisse bekommen nur Frauen, die sich an die nicht selten willkürlich festgelegten Regeln von Kirchenmännern halten, während das zentrale kirchliche Machtinstrument, die Weihe- und Jurisdiktionsgewalt, ihnen auch vom vermeintlich liberalen Franziskus und von den größten Frauenverstehern im Episkopat verwehrt wird. Gleichberechtigung sieht anders aus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2019 - Religion

Die #MeToo-Affäre um den "gemäßigten Islamisten" Tariq Ramadan, der einst auch in Deutschland durchaus prominent war, hat hierzulande wenig Aufsehen erregt - dabei ist Ramadan mehrerer Vergewaltigungen beschuldigt (unsere Resümees). Nun hat er sich im französischen Infosender BFM-TV vor einem lammfrommen Interviewer als ein "Dreyfus der Islamophobie" geriert und gleichzeitig sein eigenes Buch über die Affäre beworben, das ausgerechnet am 11. September erscheinen soll, berichtet Jürg Altwegg in der FAZ: "Besser als das unsägliche Interview war die Nachbereitung im Sender. Eine mit dem Vorgang vertraute Journalistin der Zeitung Libération erläuterte die Widersprüche in Ramadans Aussagen. Das Märchen, er sei zur Tatzeit gar nicht am Tatort gewesen, hatte er schon einmal aufgetischt. Auch ein Anwalt der Anklägerinnen kam zu Wort. Als 'frustrierte Lügnerinnen' beschimpft Ramadan sie in seinem neuen Buch."

Ramadans Buch unterliegt einer Sperrfrist, berichtet Bernadette Sauvaget in Libération: "Soweit wir informiert sind, enthält das Buch keine Enthüllungen zu den Anschuldigungen und auch kein mea culpa zu seinem höchst bewegten und den islamischen Normen wenig angemessenen Doppelleben, das durch die juristischen Ermittlungen offengelegt wurde."
Stichwörter: Ramadan, Tariq, Metoo

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2019 - Religion

"Den Islam" gibt es nicht, betont Lamya Kaddor in der NZZ - vor allem in Richtung der Muslime, die sie auffordert, die "Mühen eigenständigen Denkens" auf sich zu nehmen: "Inzwischen gilt der Islam vielen als 'Gesetzreligion', in der es primär um das Einhalten von Geboten und Verboten geht. Doch das ist nur ein Verständnis vom Islam, das sich insbesondere in den vergangenen 150 Jahren vielerorts durchgesetzt hat. Es wird zumeist von solchen propagiert, die Machtinteressen mit Glaubensfragen verknüpfen."
Stichwörter: Kaddor, Lamya, Islam

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2019 - Religion

In Indonesien wird die Verfolgung von Christen und anderer Nichtmuslime immer schlimmer, berichtet Marco Stahlhut in der FAZ. Ein populärer Prediger hatte behauptet, dass christliche Kreuz sei "von bösen Geistern bewohnt", wurde dafür aber nicht belangt. Empfindlicher sind die Funktionäre, wenn's um den Islam geht. Eine buddhistischen Indonesierin wurde zu Gefängnis verurteilt: "Sie hatte in einem privaten Vieraugengespräch mit einem Nachbarn beklagt, dass die Lautsprecherübertragung des Gebetsrufs aus der lokalen Moschee etwas laut geworden sei. Der ehemals bekannteste christliche Politiker des Landes, der Ex-Gouverneur von Jakarta, wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er in einer Wahlkampfrede gesagt hatte, seine Zuhörer sollten sich nicht von einem Koranvers irre machen lassen, der Muslimen angeblich verbiete, Nichtmuslime zu wählen."
Stichwörter: Indonesien