9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2021 - Religion

Zunehmend verliert der Kölner Erzbischof Woelki, der ein Gutachten über sexuellen Missbrauch von Kirchenoberen zurückgehalten hat (Unser Resümee), auch den Rückhalt seines Umfeldes, schreibt Alan Posener auf Zeit Online: "Was aber auch immer mit Woelki passiert, die katholische Kirche steht in Deutschland vor einem Dilemma, das der Kardinal geradezu verkörpert. Entweder sie reformiert und modernisiert sich - Stichworte: Frauenordination, Priesterheirat, Laienmitsprache, dogmatische Öffnung, Ökumene - und riskiert dabei, das Eigene zu verlieren und zu einem bloßen Abklatsch der evangelischen Kirche zu werden. Oder sie zieht sich, wie Benedikt XVI. es wohl wollte, in eine Art inneres Exil zurück, pflegt das Eigene und riskiert, zur Sekte zu werden, in der, wie in jeder Sekte, sexuelle Gewalt und geistiger Terror unvermeidlich sind."

Durch die Affäre Woelki steht die katholische Kirche bereits einen Schritt hinter dem Abgrund, schreibt in der Welt auch Lucas Wiegelmann, der der Katholischen Kirche in Deutschland unter anderem rät, erfolglose Debatten zu vermeiden: Es gebe nun mal "Themen, bei denen ist und bleibt eine Veränderung der derzeitigen Regeln für die Kirche unrealistisch, weil der Vatikan als höchste Instanz unmissverständlich Nein gesagt hat: Eine Priesterweihe für Frauen etwa wird es demnach ebenso wenig geben wie einen deutschen Alleingang beim Pflichtzölibat. Den Bischöfen steht es frei, das zu bedauern. Aber sie sollten es zumindest klar benennen. Alles andere ist nicht aufrichtig gegenüber denen, die mit Herzblut den 'Synodalen Weg' zum Erfolg führen wollen, und wird früher oder später zu neuen Enttäuschungen und Abwanderungsbewegungen führen, dann gerade auch unter den Aktiven und Engagierten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2021 - Religion

In der Schweiz hat ein Gericht die Äußerungen einer Sektenexpertin über die Zeugen Jehovas als richtig anerkannt. Sie hatte Praktiken wie die "Ächtung", Todesfälle aufgrund der Verweigerungen von Bluttransfusionen und die sogenannte "Zwei-Zeugen-Regel" bei Vorwürfen sexuellen Missbrauchs angeprangert, erläutert Julius Rupprecht bei hpd.de: "Ächtung bezeichnet eine religiöse Vorschrift, nach der getaufte Mitglieder der Zeugen Jehovas, die sich vom Glauben abwenden oder gegen Vorschriften verstoßen, aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden. Andere Zeugen Jehovas dürfen mit ihnen keinen Kontakt mehr pflegen, sie nicht einmal mehr grüßen. Das gilt auch für engste Angehörige wie Eltern, Kinder, Geschwister, Partner:innen und Großeltern." Für Rupprecht stellt sich die Frage, ob die Zeugen Jehovas in Deutschland weiterhin als "Körperschaft des öffentlichen Rechts" anerkannt werden sollten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2021 - Religion

In Europa haben sich nicht zuletzt nach den Erfahrungen des dreißigjährigen Krieges und kräftigem Schubs durch die Aufklärung Interpretationen der Bibel durchgesetzt, die dem friedlichen Zusammenleben dienen, erinnert in der NZZ Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur. Auch der Islam muss nicht am Buchstaben kleben, sondern kann seine Heiligen Schriften interpretieren, ermuntert er: "Denn die Interpretation des Heiligen ist, wie Tareq Oubrou, der reformerisch gesinnte Imam von Bordeaux, treffend gesagt hat, selbst nicht heilig."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2021 - Religion

Auch in Religionsgemeinschaften, die von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen werden, gibt es sexzuellen Missbrauch. Der Betroffenenverband "JW Opfer Hilfe" hat in den letzten zwei Jahren fünfzig Hinweise auf Missbrauch bei den Zeugen Jehovas bekommen. Rechtlich lassen sie sich schwer verfolgen, schreibt Gisa Bodenstein bei hpd.de: "Die Grundlage dafür sieht die aus der Sekte ausgeschlossene Barbara Kohout, die von der Aufarbeitungskommission eingeladen worden war, im Selbstverwaltungsrecht der Religionsgemeinschaften, wie es in Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem aus der Weimarer Reichsverfassung übernommenen Artikel 137 festgelegt ist. Innerorganisatorische Disziplinarverfahren führten dazu, dass Verdachtsfälle nicht öffentlich gemacht und nicht öffentlich aufgeklärt würden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2021 - Religion

Emmanuel Macron möchte den politischen Islam in Frankreich stärker kontrollieren. Aber das entsprechende Gesetz soll für alle Religionen gelten. Und darum protestiert der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins Beaufort laut Michaela Wiegel in der FAZ: "Besonders kritisch sieht er die geplante Regelung, dass die Präfekten als Gesandte des Zentralstaates künftig in regelmäßigen Abständen Kirchen und andere Religionsstätten 'überprüfen' und zulassen müssen. Der Staat greife mit der vorgesehenen Kontrolle der Buchhaltung zudem in das Selbstverwaltungsrecht der Kirchen ein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2021 - Religion

Von der kürzlich erhobenen Forderung Kacem El Ghazzalis, Religion in die Privatsphäre zu verbannen (Unser Resümee), halten die Theologen Ulrich Körtner und Jan-Heiner Türck in der NZZ natürlich nichts. Zugleich warnen sie vor den Bedrohungen durch den politischen Islam: "Sie versuchen die Spielräume des demokratischen Rechtsstaats auszunutzen, um gezielt ihr Ideengut zu verbreiten. Die Muslimbruderschaft und andere Organisationen, die oft auf finanzielle Ressourcen aus islamischen Staaten zurückgreifen, streben ganz offen an, eine Scharia-konforme Gesellschaftsordnung zu etablieren. Wer das als Übertreibung abwiegelt, möge folgende Äusserung von Yusuf al-Qaradawi, einem Vordenker der Muslimbruderschaft, zur Kenntnis nehmen: 'Ich erwarte, dass der Islam Europa erobern wird, ohne zum Schwert oder zum Kampf greifen zu müssen - mittels Dawa ['Ruf zum Islam', Mission] und durch die Ideologie.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.01.2021 - Religion

Die Aufklärung über sexuellen Missbrauch wird von Kirchenoberen weiter kräftig hintertrieben. Vor kurzem wollte der Kölner Erzbischof Woelki Journalisten ein bisher zurückgehaltenes Gutachten zeigen, aber nur wenn sie darüber schweigen, was sie nicht schriftlich versichern wollten. Beraten wird Woelki von einer Anwaltskanzlei, die sonst für Tayyip Erdogan ud die AfD arbeitet, berichtet Philipp Gessler in der taz: "Die Website der Kanzlei warb mit dem Versprechen: 'Mit 'Zuckerbrot und Peitsche' vermeiden wir negative Berichterstattung schon im Vorfeld. Sollten wir sie nicht ganz verhindern können, mildern wir sie zumindest ab.' Am Rhein kursiert die Einschätzung, die Beratung des Erzbistums durch angebliche PR-Profis und Anwälte habe schon Hunderttausende Euro gekostet. Eine Schande, wenn man bedenkt, mit welchen Brosamen fast alle Missbrauchsopfer abgespeist wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2021 - Religion

Neulich haben einige Theologen in der FAZ gefordert, Sterbenden Sterbehilfe nicht mehr zu verweigern (unser Resümee). Das waren progressive Theologen, und sie stoßen in der evangelischen Kirche auf starken Widerstand, schreibt Gita Neumann bei hpd.de. Die Katholiken retten sich demgegenüber in die alte Technik pragmatischer Heuchelei: "Die Richtlinien im Dokument 'Der barmherzige Samariter' zu Maßnahmen am Lebensende besagen zwar: Jeder Schwerkranke, der den 'unmoralischen Akt Sterbe- oder Suizidhilfe' für sich in Anspruch nehmen wolle und an seiner Entscheidung festhalte, dürfe keinerlei Geste des Zuspruchs erhalten. Aber 'Ausnahmen könne es geben', hat der Spiegel dazu lapidar festgestellt, 'wenn ein Priester überzeugt sei, dass die sterbende Person ihre Meinung geändert habe. Auch wenn der Patient bewusstlos sei und man Reue annehmen könne (sic), dürfe er die Sakramente erhalten'."
Stichwörter: Sterbehilfe

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2021 - Religion

Der unermüdliche Kirchenkritiker Helmut Ortner macht heute bei Faustkultur auf die von den Deutschen brav geschluckte Absurdität des deutschen Kirchensteuersystems aufmerksam. "Unsere Kirchensteuer: Einst wurde vom Reichsfinanzminister (im September 1933) angeordnet, dass auf der Lohnsteuerkarte ein Religionseintrag vorzunehmen sei. Das war zwar nach der Weimarer Reichsverfassung verfassungswidrig (Art. 136 Absatz 3). Dort heißt es: 'Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren...' Die Nationalsozialisten hat das jedoch nicht interessiert. 1949 wurde dieser Artikel der Weimarer Reichsverfassung in das Grundgesetz übernommen - und so steht die Religionszugehörigkeit auf der Lohnsteuerkarte deutscher Kirchenmitglieder. Bis heute."

Ebenfalls bei Faustkultur bespricht Cinzia Sciuto Mouhanad Khorchides Buch "Gottes falsche Anwälte - Der Verrat am Islam". Sciutos eigenes Buch "Die Fallen des Multikulturalismus" wird von Armin Pfahl-Traughber in hpd.de rezensiert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2021 - Religion

Die Islamkonferenz und der Wunsch der Bundesregierung, Organisationen des "Politischen Islams" Geld zu geben, damit sie für Frieden sorgen, sind ein Fall für den Bundesrechnungshof, hatte Hamed Abdel-Samad auf Facebook geschrieben, als er seinen Austritt aus der Islamkonferenz erklärte. Lutz Neumann geht diesem Vorschlag auf hpd.de nach und findet: "Angesichts der von Hamed Abdel-Samad und vielen anderen festgestellten Intransparenz und Beratungsresistenz der Spitze des Innenministeriums, von weiten Teilen der Bundesregierung und Landesregierungen in Sachen Politischer Islam, gehört der Rechnungshof zu den Staatsorganen, von denen noch ein klarer Blick und verantwortungsvolles Handeln erwartet werden kann."