Zwischen Abwehr und Imagefaktor - Deutsche Unternehmen und ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.
Von den Nürnberger Wirtschaftsprozessen bis zu den Verhandlungen um Zwangsarbeiterentschädigungen - deutsche Konzerne haben stets versucht, das öffentliche Bild von ihrer NS-Vergangenheit selbst zu prägen. Sebastian Brünger untersucht nun erstmals die Kontinuitäten und Brüche dieser Vergangenheitsbearbeitung seit 1945. An vier Beispielen (Bayer, Deutsche Bank, Daimler und Degussa) erörtert er Strategien und Formen unternehmerischer Vergangenheitsbearbeitung und analysiert sie im Kontext von Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft ihrer jeweiligen Zeit.
Brünger zeigt, wie Unternehmen die Veränderungen der deutschen Geschichtskultur nachvollzogen beziehungsweise mitbestimmten, während konkrete Rollenbilder wie etwa das vom "anständigen Kaufmann" weiter tradiert und Forschungsaufträge an Historiker zunehmend zu einem wichtigen Imagefaktor wurden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2017
Finstere Zeiten, die das Buch Sebastian Brüngers ins Gedächtnis ruft, allerdings dankenswerter Weise, findet Tim Schanetzky. Zwar ist dem Rezensenten vieles hier Nachzulesende über die Selbstgerechtigkeit deutscher Unternehmen in Sachen NS-Vergangenheit bereits bekannt. Dass der Autor seine Untersuchung quellengestützt bis in die jüngste Vergangenheit vorantreibt, findet Schanetzky allerdings stark. Daimler, Bayer, Deutsche Bank, ihre PR-Abteilungen und mächtigen Vorstandsvorsitzenden, aber auch die gedungene Geschichtswissenschaft und ihren skandalösen Umgang mit der verbrecherischen Geschichte stellt der Autor laut Rezensent eindrucksvoll und minutiös in helles Licht. Der Autor bietet nüchterne Analyse statt Skandalisierung, freut sich Schanetzky.
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