Die Bäume streifen durch Alexandria
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446281738
Gebunden, 448 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Aus dem Arabischen von Markus Lemke. "Diese Stadt wird dich umfangen - ganz gleich, welche Sprache du sprichst oder woher du stammst." Ein Abgesang auf das kosmopolitische Alexandria. In den sechziger Jahren trifft sich eine Gruppe von Freunden - ein Grieche, ein Italiener, eine Französin sowie ein Jude und ein Araber - in einem Café in Alexandria, um Widerstand zu leisten gegen die ausländerfeindliche Politik der Regierung Nassers. Die bunte Gesellschaft spricht Arabisch miteinander, sie alle verstehen sich als Teil des kosmopolitischen Alexandria. Doch der Nationalismus der verblendeten Herrscher treibt sie auseinander und zerstört nicht nur ihre kleine Gemeinschaft, sondern die multikulturelle Essenz der legendären Hafenstadt.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.02.2026
Alaa Al-Aswani erinnert in seinem neuen Roman an die ägyptische Prophetin Zaraqa-al-Jamama, deren Warnungen ungehört verhallten, wenn es um das diktatorische Regime unter Gamal Abdel Nasser geht, schildert Rezensentin Andrea Pollmeier. Im Zentrum des Buches steht ein Restaurant, in dem sich die Haute Volée Alexandrias trifft und von dem aus sie die Veränderungen in der Stadt betrachtet, die früher von Multikulturalität, jetzt von Geheimdienst und Gewalt geprägt ist, so Pollmeier. Ihr gefällt, dass Al-Aswani ein feines Netz verschiedenster alexandrinischer Lebensläufe webt - vom inhaftierten früheren Justizminister bis zum plötzlich enteigneten Fabrikanten - und mit viel Fingerspitzengefühl die gesellschaftlichen Bedingungen zeigt, unter denen sich Menschen zwischen Kollaboration und Flucht entscheiden müssen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.11.2025
Gespannt verfolgt Rezensent Ingo Arend die Handlung des fünften Romans des ägyptischen Exilautors. Wie auch in seinem 2007 erschienenen Text "Der Jakubiyān-Bau", entwickelt der Autor hier ein Gesellschaftsporträt. Diesmal geht es in der Nil-Gegend der 1960er Jahre um die Entwicklung der sozialistischen Republik des sich zunehmend zu einem Diktator wandelnden Staatsoberhaupts Gamal Abdel Nasser, erfahren wir. In einer geübten Abwechslung aus personalem und Ich-Erzähler blicke der Autor auf eine Diskussionsgruppe von Intellektuellen und Freigeistern, die sich mitternachts in einem Restaurant treffen. Die sich im Laufe des Geschehens wandelnden Beziehungen, amouröse wie politisch, spiegeln den allmählichen Zerfall der Republik, wie auch der Titel des Romans auf die Unheilsverkündungen der Shakespear'schen Hexen aus "Macbeth" anspielt, interpretiert Arend. Trotz der Komplexität der Handlung, wird sie "im Modus massenkultureller Unterhaltung" erzählt, die kurzen Kapitel und Perspektivwechsel erinnern den Rezensenten an eine rasante TV-Serie. Und doch gelinge es dem Autor dabei jene Handlung zu einer warnenden Metapher vor der Vereinheitlichung des Denkens zu verdichten, schließt Arend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Wieder einmal, lobt Rezensentin Lena Bopp, ist es Alaa al-Aswani gelungen, für einen Moment lang den Blick freizugeben auf jene "komplexen, widersprüchlichen und mächtigen Unterströme" einer Gesellschaft - der Gesellschaft Ägyptens in den 60er Jahren in diesem Fall. Doch das Bild, das al-Aswani hier entwirft, macht Mechanismen deutlich, die nicht nur im damaligen Ägypten wirkten: Er zeigt auch allgemeingültig, wie in dem schleichenden Entstehen einer Diktatur die Möglichkeiten des Einzelnen, Widerstand zu leisten, Verantwortung zu übernehmen, immer geringer werden, bemerkt die Rezensentin. Al-Aswanis Figuren, ihre Einschränkungen und Entscheidungen, bilden dabei eine Typologie, sie handeln also als Vertreter eines bestimmten Milieus, und doch treten sie uns immer auch als Individuen vor Augen, mit ganz eigenen Geschichten, Beweggründen und Zwängen, so Bopp. Dass diese Individualität sich kaum in der Figurensprache spiegelt, ja dass auch die Dramaturgie dieser multiperspektivischen Erzählung recht konventionell wirkt, kann die Rezensentin dem Autor verzeihen angesichts des beeindruckenden Gesellschaftspanoramas, das al-Aswani hier literarisch ausbreite.