Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Sie wohnen überall in der Welt. Sie arbeiten oder wurden gerade entlassen, sie haben viele Freunde, sind einsam oder krank. Eines aber verbindet sie alle: Im Internet haben sie sich eine zweite Existenz geschaffen, mit allen erträumten und nie erreichten Eigenschaften. Für Isidore und Edwige scheint das Dasein in Unser zweites Leben jedenfalls wesentlich schöner zu sein als das in der realen Welt: Als Isidro und Eva verlieben sie sich ineinander, ein Gefühl, das es im echten Leben für sie nicht mehr gibt. Nur Carmen alias Karine aus Spanien, im Netz die beste Freundin von Eva, langweilt sich bald, denn auch mit dem Avatar ihres Mannes läuft die Ehe nicht besser als mit dem wirklichen Gemahl. Nach und nach offenbart sich den virtuellen Freunden, dass Unser zweites Leben der echten Gesellschaft erschreckend ähnlich ist. Und als Isidro plötzlich für ein paar Tage aus dem Netz verschwindet und niemand weiß warum, verkehrt sich die Flucht vor der banalen Realität schließlich in eine abenteuerliche Flucht vor der Fiktion.
Enttäuscht hat Rezensent Kolja Mensing dieses Buch zugeklappt. Denn aus seiner Sicht hat es das Versprechen nicht gehalten, ein Roman über das "neue Leben" im Netz" zu sein. Vielmehr handelt es sich seinem Eidruck zufolge um einen weiteren Abgesang auf die alte, analoge Welt. Zwar behandele Alain Monnier so saftige Themen wie den Einsatz von "ferngesteuerten USB-Vibratoren" samt filmreifer "virtueller Fickszenen". Trotzdem erfährt Mensing weder Ungewöhnliches noch wirklich Neues aus dem Roman. Denn seiner Ansicht nach bedient sich der Autor viel zu sehr bei "Groschenheften", "klassischen Dramen" und anderen längst eingeführten Genres, weshalb seine Geschichten auf ihn letztlich genauso künstlich wirken, wie gepixelte Avatar-Gesichter. Nicht mal das Scheitern der Literatur angesichts der virtuellen Welt - Mensings Eindruck zufolge das Subthema des Romans - habe Monnier erhellen können.
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