Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Die westliche Welt ist verunsichert wie schon lange nicht mehr. Die Novembermorde von Paris stellen unser eurozentrisches Selbstverständnis radikal auf die Probe. Alain Badiou stellt entscheidende Fragen: Wie konnte es zu den Gewaltexzessen kommen? Wie können westliche Gesellschaften darauf reagieren und dennoch liberale Rechtsstaaten bleiben? Kann es sein, dass fast die ganze Welt längst von einer totalitären, kapitalistischen Logik unterminiert ist - und sich gerade dadurch Gesellschaften radikalisieren? Fest steht: Mehr Polizei wird dieses Problem genauso wenig lösen wie der Rückzug auf nationale Identitätskonzepte. Stattdessen fordert Badiou, dass wir dem globalen Kapitalismus entgegentreten: mit einem neuen politischen Denken, das die herkömmlichen politischen Strukturen überwindet und in eine moderne Form des Kommunismus mündet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2016
Rezensent Helmut Mayer hat Alain Badous nun auch auf Deutsch erschienenes Buch "Wider den globalen Kapitalismus" offenbar mit Interesse gelesen. Bei dem Pariser Philosophen und Alt-Maoisten liest er nach, wie Badiou die Pariser Anschläge vom 13. November als Reaktionen auf den Kapitalismus beschreibt, indem er die Ungerechtigkeit von Ressourcenverteilung auf globaler Ebene nachzeichnet. Aufmerksam folgt Mayer auch Badious Einteilung der Schichten in drei "Subjektivitätstypen": Badiou nennt hier die Subjektivität der zwischen Angst und Arroganz schwankenden westlichen Mittelschicht, jene der sich nach den Konsumwohltaten des Westen sehnenden Schicht und schließlich die "nihilistische Subjektivität" der rächenden und zerstörenden Attentäter, resümiert der Kritiker. Abgesehen von einigen Aufrufen zu neuen "transnationalen" Denkweisen vermisst Mayer hier allerdings "konkrete" Lösungsvorschläge.
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