Herausgegeben von Claus Günzler und Johann Zürcher. An keinem Teil seines Werks lag Albert Schweitzer mehr als an seinem Beitrag zur Philosophie. Doch die ihm gebührende Wirkung musste ausbleiben, weil nach seinen beiden philosophischen Büchern von 1923, der Kulturkritik (Kulturphilosophie I) und der Ethik (Kulturphilosophie II) - heute zusammengefasst unter dem Titel Kultur und Ethik -, kein weiteres mehr erschien. Hier wird aus dem Nachlass die Fortsetzung veröffentlicht, an der Albert Schweitzer 14 Jahre lang, von 1931-1945, gearbeitet hat. Der Leser kann jetzt die Linien des Schweitzerschen Denkens über die Erstlingsschriften hinaus verfolgen. Sichtbar wird dabei der eindrucksvolle Versuch, die Ethik zu einer "Weltphilosophie", zu einer quer durch die Kulturen akzeptierbaren Deutung von Leben und Kosmos auszubauen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2001
Albert Schweitzers Kulturphilosophie, deren dritter Teil nun in Form von Fragmenten aus dem Nachlass erstmals veröffentlicht wird, ist als neuer weltanschaulicher Entwurf aus systematischen Gründen, wie der Rezensent Niklaus Peter findet, gescheitert, allerdings auf hohem Niveau. Seinen weltanschaulichen Ausgangspunkt formuliert Schweitzer so: "Sinnloses in Sinnvollem, Grausiges in Herrlichem: Das ist die Welt" - nur finde er von dort, so Peter, nicht den Weg zur Neubegründung der Ethik auf Grundlage der "geheimnisvollen Verbundenheit allen Lebens". Der Fragmentcharakter macht die Bände zu einer "nicht ganz einfachen Lektüre", so Peter, aber als Auseinandersetzung mit Nietzsches Lebensphilosophie lohnen die Texte ihrer "Redlichkeit und Wahrnehmungsgenauigkeit", ihrer "intellektuellen Furcht- und Rücksichtslosigkeit" wegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2001
Manche Bücher, so schreibt der Rezensent Michael Gassmann zu Beginn seiner Rezension, sollen wohl unvollendet bleiben - und dies scheint auch für Schweitzers hochgespannten Versuch einer Begründung der Ethik aus einer "Lebens- und Weltbejahung" zu gelten. Dennoch begrüßt Gassmann den vorliegenden Band, der die Fragmente zu diesem Versuch versammelt, und er merkt im übrigen an, dass Schweitzer selbst das Gelingen seines Versuchs 1945 bezweifelte. Gassmann hat Hochachtung vor Schweitzers Begründung der Ethik aus einer naturgesetzlichen Humanität, auch wenn sie misslingt, und er betont, vor welchem Hintergrund - nämlich dem entfesselten Zweiten Weltkrieg - Schweitzer den Grundriss einer besseren Welt zeichnen wollte. Gerade der fragmentarische Charakter des Bandes wird für Gassmann am Ende zur "angemessenen, endgültigen Form" für Schweitzers Mahnungen an die Menschheit.
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