Die Erinnerung an Massenverbrechen konstituiert die Parameter einer universellen Ethik. Hierfür war das Gedächtnis des Holocaust begründend. Der Vernichtung der europäischen Juden kam eine paradigmatische Bedeutung zu. Inzwischen fordern auch andere Gedächtnisse an Massenverbrechen öffentliche Erinnerung und damit Anerkennung ein. Ein solcher Pluralismus der Gedächtnisse birgt ein nicht unerhebliches Konfliktpotential, vor allem dann, wenn die unterschiedlichen Leiderfahrungen auf ein und dasselbe historische Ereignis zurückgeführt werden - den Zweiten Weltkrieg. Dann stellen sich gegenläufige Konstellation und Konkurrenzen der Erinnerung ein - nicht nur zwischen den politischen Kulturen des westlichen und des östlichen Europas, sondern auch und gerade zwischen europäischen und kolonialen Gedächtnissen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2008
Den Rezensenten Martin Meyer hat Dan Diners Schrift über die weltgeschichtliche Geltung des Holocausts zu einigen grundsätzlichen Überlegungen über den Holocaust und die Conditio humana angeregt, was insofern etwas bedauerlich ist, als sich leider nicht immer ganz erkennen lässt, was nun von Meyer stammt und was von Diner. Es geht um die Frage, ob sich die Ermordung der europäischen Juden besser historisch oder philosophisch begreifen lässt. Diner plädiert - unter Meyers Zustimmung - dafür, den Holocaust nicht als Ereignis zu lesen, das uns philosophisch begreiflich macht, wozu Menschen fähig sind, sondern als historisch klar einzuordnendes Geschehen. Erst so werde der Holocaust als Zivilisationsbruch in seiner Einzigartigkeit begreiflich. Der Titel des Essays bezieht sich nun darauf, dass diese Einzigartigkeit in der Perspektive der Osteuropäer oder der Araber wegen ihrer eigenen Leiderfahrungen nicht solche Gültigkeit besitzt. Als eine weitere These Diners referiert Meyer die Idee, dass sich erst einem säkularen Denken die ganze Tragweite des Holocaust erschließe, denn die Voraussetzung eines lieben Gottes erlaubt Verdrängung.
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