Die "vertrackte Revolution" von 1918/19 beflügelte Hoffnungen und Visionen, mündete aber bald in Ernüchterung und Klagen. Während unter Linksintellektuellen ein ausgeprägter Wunsch nach stärkerer Demokratisierung herrschte, missbilligten die antiliberalen Vertreter einer intellektuellen Rechten die Republik grundsätzlich. Ihr Revolutionsenthusiasmus dagegen ging in eine "konservative" oder "nationale" Richtung. Solche Interpretationsversuche verschwisterten sich auch mit Verschwörungstheorien wie die der Dolchstoßthese und trugen dazu bei, die erste deutsche Demokratie zu delegitimieren.Historische Deutungskämpfe und intellektuelle Wunschbilder, die 1918 aufkamen und sich rasch verselbständigten, überdauerten die Zäsuren. Sie schimmerten in der Restaurationskritik der frühen Bundesrepublik ebenso durch wie in der "Weltbühnen"-Sehnsucht früherer Autoren der legendären Zeitschrift. So waren hartnäckige Nonkonformisten von links ebenso wie frühere Vertreter der "konservativen Revolution" nach dem Nationalsozialismus herausgefordert, ihre Demokratietauglichkeit unter Beweis zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.09.2021
Rezensent Robert Probst schätzt die in diesem Band versammelten Aufsätze des Ideengeschichtlers Alexander Gallus für ihre Offenheit. Dass der Autor die Novemberrevolution nicht als Erfolgsgeschichte verkaufen will, sondern zeitgenössische links- wie rechtsintellektuelle Reaktionen von Kurt Hiller, Axel Eggebrecht u.a. auf die Umbrüche der Weimarer Zeit differenziert dokumentiert und sie als "offene historische Situation" darstellt, findet Probst erhellend. Gallus' klare Argumentation macht Probst deutlich, dass 1918 nicht als "Lernbeispiel für deutsche Demokratiegeschichte" taugt.
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