Alexander Klose, Benjamin Steininger

Erdöl

Ein Atlas der Petromoderne
Cover: Erdöl
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783957579423
Kartoniert, 324 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Nur wenn wir begriffen haben, womit wir es seit 150 Jahren in unseren Motoren, Laboren, Körpern und Träumen zu tun haben, können wir uns von dieser ebenso zauberhaften wie verhängnisvollen Substanz wieder lösen. Die Entstehung von Erdöl braucht Ewigkeiten, seine Verwendung aber kennt nur den Augenblick: ob als Kraftstoff oder Plastiktüte, als Lippenstift oder Luftballon. Erdöl ist allgegenwärtig und doch unsichtbar. Es ist vorzeitlicher Naturstoff und hypermoderner Kunststoff. Es ist Kriegstreiber, Wohlstandsbringer und sogar Lebensmittel. Dieser reich bebilderte Atlas lädt ein zu Spaziergängen durch Geografien, Industrien und historische Prozesse und fördert in Praktiken, Wissensformen und Bildwelten erstaunliche Geschichten zutage: vom ersten Öltanker "Zoroaster" von 1878, der sich heute im Fundament einer Bohrinsel im Kaspischen Meer befindet, vom fossilen Plankton, das erdölbildend beinah die neuesten norwegischen Geldscheine geziert hätte, vom verarmten österreichischen Adelsspross, der als Ölarbeiter sein Glück in Argentinien suchte und zur Romanfigur wurde, von "Science-fashioned Molecules" als Helden des US-amerikanischen Industriefilms. Denn schließlich ist Erdöl weit mehr als die Summe seiner Moleküle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2021

So begeistert wie die Autoren selbst von ihren Funden, durch die sie alles Mögliche und Unmögliche mit Verbrauch und Kultur des Erdöls verbinden, ist auch Rezensent Jörg Häntzschel von diesem Buch. Er schwelgt geradezu, und ist natürlich ebenso auch entsetzt über den Befund, der hier mit vielen Zahlen belegt, dass nämlich eine "Sucht" herrscht nach diesem Stoff. Dabei hat der "Überfluss" und nicht der Mangel den alles durchdringenden Konsum und das Wachstum geschaffen, das den Planeten zu zerstören droht, so erkennt der fast überwältigte Kritiker. Ob eine Umkehr möglich wäre, scheint nicht nur er zu bezweifeln.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.01.2021

Rezensentin Katharina Teutsch kann über die mitunter "neckische" Betrachtungsweise in Benjamin Steinigers und Alexander Kloses Buch hinwegsehen. Was sie dann erfährt, findet sie unterhaltsam und durchaus lehrreich in seiner Mischung aus Bild und Text. Die Kulturgeschichte des schwarzen Goldes führt ihr Vorkommmensweisen des Öls, etwa in Lockenwicklern, ebenso vor wie "Männerfantasien" von schwerem Bohrgerät (!). Dabei kommt viel Wissenswertes rum, etwa zur Frage, wie eine postfossile Ära aussehen könnte, versichert die Rezensentin, auch wenn die assoziative Methode der Autoren immer wieder Jargon und "Nebulöses" erzeugt.