»Niemand hat einen Überblick über das Ganze«, lässt der Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge einen seiner Protagonisten gleich zu Beginn seines 2014 erschienen Bandes 30. April 1945 feststellen, um anschließend auf gut dreihundert Seiten uns eben diesen Überblick über den historischen Wendepunkt zu schenken, den dieses Datum markiert. Kluge tut dies, indem er zum einen den Blick auf seine Jungen-Persona richtet - den 13-jährigen Alexander, der eben einen verheerenden Bombenangriff auf seine Vaterstadt überlebt hat, aber viel mehr als am Krieg unter der Trennung der Eltern leidet - zum anderen aber auch die Sieger und Besiegten aufsucht, sich in sie hineinversetzt und schließlich gar dem deutschen Geiste in Gestalt Martin Heideggers seine verwunderte Aufmerksamkeit schenkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2015
Mitunter geht der Ehrgeiz des Regisseurs über die Möglichkeiten des Textes von Alexander Kluge hinaus, klagt Uwe Ebbinghaus. Dass der Autor mit Autobiografischem selbst zu Wort kommt, findet er überflüssig und das Stimmengewirr in diesem Hörspiel allzu verwirrend. Was Kluge indes mit dichterischer, nicht historischer Kompetenz, wie Ebbinghaus erklärt, und seinem Setzen auf den "Antirealismus des Gefühls" aus den letzten Stunden Hitlers an "Spirituellem" destilliert, findet der Rezensent bemerkenswert.
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