Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Stascha Rohmer. Der englische Philosoph Alfred North Whitehead gilt heute als bedeutendster Erneuerer der Metaphysik und Naturphilosophie im 20. Jahrhundert. "Denkweisen", sein letztes großes Werk, beschäftigt sich mit der Frage, welche Aufgabe der Philosophie in jenem schöpferischen und kulturellen Prozess zukommt, den wir als Zivilisation bezeichnen. Whiteheads Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft der Spekulation als grundlegende Weise philosophischen Denkens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2001
Erst einmal ordnet Michael Hampe Alfred North Whitehead in die Philosophiegeschichte und ihre Tendenz um 1900 ein, noch einmal neu anfangen zu wollen, den Ballast der Tradition abzuwerfen. Whiteheads mit Bertrand Russell verfasste "Principia Mathematica" waren eines dieser auf der Logik aufbauenden Neubegründungswerke. Whiteheads Denken jedoch nahm, wie die beiden besprochenen Bände zeigen, bald eine andere Richtung. 1) Christoph Kann: "Fußnoten zu Platon" In seinem Buch "Prozess und Realität" ist für Whitehead alle Philosophie nur eine Serie von "Fußnoten zu Platon". Die große Kluft zwischen Whitehead und den logischen Empiristen wurde spätestens hier, so Hampe, überdeutlich. Christoph Kann hat nun die erste deutschsprachige Monografie verfasst, die sich mit Whiteheads Geschichtsbild befasst. Es geht ihm dabei weniger um die Einflüsse auf Whitehead als um den eigenwilligen Blick Whiteheads zurück auf wichtige Denker, von dem man heute noch lernen könne: nicht zuletzt, dogmatisch gewordene Interpretationen aufzubrechen. Platons System hat dabei die grundlegende Stellung eines Auftrags an die Nachfolger, das von ihm initiierte System zu realisieren. "Systematizität" ist dabei das wichtigste Kriterium. Hampe, der vorwiegend referiert, bescheinigt dem Autor Kann großen "interpretativen Takt" in seinen Darstellungen. 2) Alfred North Whitehead: "Denkweisen" Whiteheads letztes Buch ist soeben in deutscher Sprache erschienen. Darin beschäftigt er sich mit den Begriffen, die außerhalb des Systematischen liegen und dennoch von großer Bedeutung dafür sind: Begriffe wie "Ausdruck", "Verstehen", "Perspektive" und andere. Michael Hampe entdeckt Ähnlichkeiten zu Fragestellungen Richard Rortys. Das Fazit Whiteheads ist positiv: philosophische Systeme und Fragen sind notwendig, damit Zivilisationen sich "halbwegs verstehen und ausdrücken" können. Der Rezensent kann diese Perspektive nur unterstützen und wünscht sich, dass "dieses abgeklärte und positive Verständnis philosophischer Systematik" stärkeren Einfluss bekäme. Sehr kritisch äußert er sich jedoch zur deutschen Übersetzung des Bandes.
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