Aus dem Französischen von Horst Brühmann "Im Februar 1993 fragte ich François Mitterrand im Flugzeug auf der Rückreise von Kambodscha, wie er sich seine angemessene Analyse vorstelle, und er antwortete: 'Verfassen Sie auf keinen Fall einen Aufsatz mit lauter theoretischen Fachausdrücken. Das wäre zu langweilig. Schreiben Sie eine Geschichte, die sich leicht lesen lässt. Ich habe Sie mit allem Material versorgt, das dazu notwendig ist. Seither haben wir uns bei meinen Reisen immer wieder getroffen, so wie damals bei unseren gemeinsamen Mittagessen. Verwenden Sie alles, was ich Ihnen anvertraut habe. Es muss ja nicht gleich sein. Nehmen Sie meinen zehnten Todestag zum Anlass. Aber geben Sie acht, schreiben Sie nicht einfach beliebiges Zeug! Sonst werde ich Sie als Gespenst heimsuchen und an den Füßen ziehen, wenn Sie schlafen - nachts oder während Ihrer Mittagsruhe.'" Wie von Mitterrand gewünscht hat Ali Magoudi eine Psychoanalyse des französischen Präsidenten verfasst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2007
Vermutet Franziska Augstein hinter diesem Buch zunächst einen billigen Witz, ist sie nach der Lektüre absolut begeistert. Es handelt sich um eine fiktive Psychoanalyse des früheren Präsidenten Francois Mitterrand, die der Psychoanalytiker Ali Magoudi aus Interviews und Dokumenten geschaffen hat, erklärt Augstein. Nicht zuletzt die brillante Übersetzung von Horst Brühmann lässt dieses Buch als außergewöhnliches literarisches Werk lesen, schwärmt die Rezensentin, die betont, wie gründlich der französische Autor für seine Analyse des Politikers recherchiert hat. Dabei stütze sich Magoudi auf die Lacansche These von der sprachlichen Determinierung des Unbewussten, interpretiere also bestimmte Formulierungen als Ausdruck unbewusster Regungen. Bei aller Seriosität ist dies ein sehr komisches Buch, versichert die Rezensentin, die nicht zuletzt auch ihre Freude an den - natürlich ebenfalls fiktiven - Selbstdeutungen des Psychoanalytikers hatte.
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