Alice Ceresa

Kleines Wörterbuch der weiblichen Ungleichheit

Cover: Kleines Wörterbuch der weiblichen Ungleichheit
Diaphanes Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783035807165
Taschenbuch, 136 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Sabine Schulz. Mit einem Vorwort von M. Glassl und einem Nachwort von T. Crivelli. Obwohl Alice Ceresas stets selbstbewusst behauptete, die Situation der Frau sei das einzige Thema, das sie interessiere, findet sich die feministische Frage nirgends so explizit wie im "Kleinen Wörterbuch", das trotz jahrelanger Arbeit daran erst posthum erschien. Bei aller politischen Kritik ist Ceresa dabei aber nie ideologisch oder dogmatisch. Vielmehr seziert sie die patriarchalen Strukturen der Gegenwart durch sprachlichen Witz und boykottiert gesellschaftliche Normen spielerisch, indem sie die zugrunde liegende Willkür dieser wie jeder etablierten Herrschaft und Sprache aufzeigt. In Anspielung an Formwillen und Wortschatz scheinbar universeller und universalistischer Enzyklopädien will Ceresas eigenes Wörterbuch deren totalitären Anspruch ironisch zerlegen und zerstören. Statt bloß einen weiblichen "Idiolekt" zu erfinden, der die ungerechte Verteilung von Macht und Anerkennung unter scheinbarer Gleichheit versteckt, beharrt sie vielmehr auf der Ungleichheit und Differenz des Weiblichen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Rezensentin Marianna Lieder freut sich über die Entdeckung der italienisch-schweizerischen Autorin Alice Ceresa, deren Werke endlich auch auf Deutsch erscheint. Lieder stellt uns Ceresa als eigenwillige Denkerin vor, die von Selbstzweifeln und Perfektionsdrang gebeutelt, zu Lebzeiten nur wenig veröffentlichte. Auch ihr Wörterbuch der weiblichen Ungleichheit blieb im Original bis 2020 unveröffentlicht. Was für ein Verlust! Denn Lieder liest mit Vergnügen die Einträge von Abtreibung bis Weiblichkeit, die mal beißend-ironisch, mal radikal subversiv, aber immer auch verspielt die Situation der Frau in den Siebzigerjahren aufs Korn nehmen. Den differenzfeministischen Tenor jener Zeit, der gar nicht darauf abzielte, sich in ein männliches System zu integrieren, lässt sich die Rezensentin gern gefallen, zumal ihm nichts Essentialistisches anhaftet. 

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