Alice Munro

Himmel und Hölle

Neun Erzählungen
Cover: Himmel und Hölle
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100488190
Gebunden, 380 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Kanadischen von Heidi Zerning. Himmel und Hölle: Neun Geschichten, scheinbar alltäglich harmlos wie ein Kinderspiel. So wie die Geschichte der Hausangestellten, die von zwei Teenagern auf fatale Weise in die Irre geschickt wird, doch dank ihrer Willenskraft ihrem verkümmerten Leben eine höchst überraschende Wendung zu geben vermag. Verdrängte Schuld, die heimlich weiterwirkt, rätselvolle Beziehungen, bestürzend kühne Momente des Ausbrechens aus dem eigenen Lebenskonzept: das ist der Stoff, aus dem Alice Munros Erzählungen sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2005

Auch in ihrem zehnten Buch mit Kurzprosa beschreibe Alice Munro das, was sie immer beschreibe, "Frauen am Rande des Ehebruchs". Und weil diese es oft nicht weiter als bis zur Bushaltestelle schafften, liege ein Hauch von "Melancholie" über den neun neuen Erzählungen, berichtet Rezensentin Almut Fink von einer faszinierenden Lektüre. Denn aller Prosa der Wirklichkeit in einer kanadischen Kleinstadt zwischen sechziger und siebziger Jahren zum Trotz, seien Munros Geschichten keinesfalls traurig oder bitter, obwohl sie von "Abschied und Fortgehen", "Krankheit und Tod", von "Erinnerung" und von "Vergeblichkeit" erzählten. Warum ist das so? Die Rezensentin kann nur mutmaßen, weil Alice Munro ihre Figuren immer mit "Taktgefühl" und "Ehrfurcht" behandele, noch dort, wo sie wieder einmal den Verstand mit ihrem Herz verlieren. Nicht nur Himmel und Hölle lägen bei Munro nahe beieinander, auch "Prosa und Poesie", meint Fink, und vergleicht ihren Stil als eine "Mischung aus Tschechow und Erica Jong".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2005

Der Rezensent Christoph Haas ist alles in allem ziemlich angetan von Alice Munros Kurzgeschichten - auch wenn der Umstand, dass fast alle Motive aus den Bereichen Ehe, Liebe und Familie stammen und in der kanadischen Provinz spielen, zu "einer gewissen Monotonie führt. Doch aus diesem Umstand speist sich auch das, was Haas an der Autorin bewundert - nämlich, dass sie "mit so wenigen Grundtönen eine große literarische Wirkung" erzielt. Auch die "amüsante Boshaftigkeit", die die Geschichten durchzieht, gefällt dem Rezensenten. Die vielen unerwarteten Wendungen, derer sich die Autorin bedient, dienen seiner Meinung nach nicht der "Effekthascherei". Vielmehr schärft Munro mit ihnen das Bewusstsein des Lesers für Andeutungen und Indizien.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

Angela Schader hält Alice Munros gesamtes Werk für "hohe Kunst", und auch der neue Kurzgeschichtenband "Himmel und Hölle" ist da keine Ausnahme. Munro schaffe es auch diesmal, einerseits durch Details zu glänzen, andererseits ihre Erzählsammlung so anzulegen, dass die einzelnen Teile sich aufeinander beziehen, um so "im Ensemble" zu wirken. Schader hat "innere Symmetrien und Bezüge" entdeckt, die in der Gesamtheit einen "erweiterten Reflexionsraum" schaffen. Ernst geht es zu in diesem Band, als Leitthemen macht die Rezensentin "Krankheit, Tod und Verrat" aus. Nur die ersten beiden Stücke haben so etwas wie ein Happy End. Ein weiteres Leitmotiv, dass sich durch alle Stücke zieht, meint Schader in den "flüchtigen Erfahrungen" entdeckt zu haben, die einige Protagonisten meist außerhalb ihrer Ehe machen. Diese Erfahrungen sind nicht von langer Dauer und müssen auch nicht intensiv sein, sie wirken eher innerlich nach als dass sie äußerlich lange sichtbar wären, schreibt die beeindruckte Rezensentin.
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