Aus dem Englischen von Manfred Allié. Lissabon, Anfang des 20. Jahrhunderts: In einem sogenannten Automobil begibt sich der junge Tomás auf eine abenteuerliche Expedition in die Hohen Berge Portugals. Damit beginnt ein tragikomischer Roadtrip, der ein unvorhergesehenes Ende nehmen soll. Doch das ist erst der Anfang einer phantastischen Geschichte, die die Hohen Berge Portugals noch Jahrzehnte später umweht wie ein tragischer Zauber.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2016
Dass spirituelle und lebensphilosophische Themen Erzählkunst nicht ausschließen müssen, entdeckt Rezensent Wolfgang Schneider bei Yann Martel, der laut Kritiker nichts mit dem "Esoterikkitsch" eines Paulo Coelho gemein hat. Vielmehr liest der Rezensent ein eindringliches Triptychon, das ebenso witzig wie traurig über ein Jahrhundert hinweg vom Umgang seiner Helden mit dem Tod erzählt. "Subtil" verknüpft erscheinen Schneider die Schicksale der drei Protagonisten, etwa jenes des Kurators Tomas, der sich nach dem Tod von Frau, Kind und Vater im Jahre 1904 mit einem der ersten Automobile auf eine Reise durch die Berge Portugals begibt, um das hinterlassene Kruzifix eines exkommunizierten Priesters zu finden, das einen Affen am Kreuz zeigt. Ein "beglückender", rührender und fesselnder Roman, der leichthändig mit Elementen des Surrealen spielt und zeigt, dass Martel auch die Ästhetik des "Grotesken, Ekelhaften" nicht fremd ist, lobt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2016
Mit dem neuen Werk des Kanadiers Yann Martel wird es sich so verhalten wie mit dessen Welterfolg "Life of Pi", prophezeit Rezensentin Kristina Maidt-Zinke: An der literarischen Qualität des dreiteiligen, in Portugal spielenden Romans werden sich die Geister scheiden, denn nach Ansicht der Kritikerin ist Martels Prosa "geschmeidig und einfallsreich", bleibt aber konventionell.. Auch Maidt-Zinke selbst ist hin- und hergerissen, sie schätzt die Originalität der Geschichte sowie die "lockere Ambiguität", mit der Martel mögliche Antworten stets auflöse. Doch zugleich zeige das Buch dramaturgische wie formale Schwächen (die die Rezensentin sogleich mit Beispielen belegt), manche Szenen zögen sich zudem ermüdend in die Länge. Wenn der Autor "letzte Dinge" verhandeln will, verhebt er sich einfach, meint Maidt-Zinke, die nur dem Übersetzer Manfred Allié uneingeschränktes Lob zollt.
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