Zu Lebzeiten geriet sie ins Visier der Inquisition, weil sie entgegen der Tradition einen persönlichen Umgang mit Gott pflegte; sie redete mit ihm wie mit einem Freund. Obwohl geistliche Schriften in der Volkssprache verboten waren, verfasste Teresa ihre Lebensgeschichte und beschrieb in mehreren Büchern ihre inneren Erfahrungen. Diese Texte zählen heute zur Weltliteratur. Doch Teresa von Avila war nicht nur die größte Mystikerin des Christentums, sondern vor allem auch eine bodenständige Frau mit großer Tatkraft. Sie unternahm Reisen in ganz Spanien und gründete zahlreiche Klöster, die nicht nur Orte des Gebetes und der Einkehr waren, sondern auch Schutzräume, in denen Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft nach ihren eigenen Vorstellungen leben konnten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2014
Rezensentin Iris Roebling-Grau hat sich zwei neue Biografien über Teresa von Avila vorgenommen und beide mit Gewinn gelesen. In Alois Prinz' Biografie der berühmten Ordensschwester der Karmeliter lobt sie neben der gewissenhaften Abarbeitung der Chronologie der Ereignisse insbesondere seine durchaus überzeugenden weltlichen Erklärungsversuche für die Vision der Nonne: Eine "Form von Epilepsie" oder eine "Hirnhautentzündung" könnten mögliche Erklärungen sein, weiß Roebling-Grau nach der Lektüre. Darüber hinaus würdigt sie nicht nur Prinz' Schilderungen der historischen Hintergründe, sondern lobt insbesondere seinen Kunstgriff, Teresa Bedeutung für die Gegenwart herauszustellen, indem er sie im ersten Kapitel im Präsenz auftreten lässt.
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