Ignatius von Loyola (1491-1556) gehört zu den großen Visionären der christlichen Religionsgeschichte. Als Pilger zwischen zwei geistigen Welten, der Kirche des ausgehenden Mittelalters und der durch Reformation und Tridentinum geprägten katholischen Kirche der Frühen Neuzeit, hat er die geistige und politische Stabilisierung des Katholizismus, mehr noch die Lebensart und Kunstrichtung des barocken Zeitalters entscheidend beeinflusst. Im Herzen der ignatianischen Lehre steht die von ihm erfundene Form der Introspektion, mit der die in der Seele wirksamen göttlichen und dämonischen Kräfte erkannt werden sollen. Wie kein anderer hat Ignatius diese individuell erlebte Frömmigkeit in seinen "Exerzitien" auch als konkrete Anleitungen formuliert. Damit prägt der Gründer des Jesuitenordens die praktische Ausübung des Glaubens nicht allein innerhalb seiner Gemeinschaft, sondern in der gesamten katholischen Kirche bis heute. Auf fundiert wissenschaftlicher Basis, dabei jedoch in verständlicher, essayistischer Weise, skizziert Helmut Feld das geistige Profil des Ignatius von Loyola. Er beleuchtet neben dessen Lebensgeschichte vor allem die philosophische und theologische Vorstellungswelt, die sich in seinen schriftlichen Werken, aber auch seinem religiösen Handeln erschließt. Im Vordergrund steht dabei die Gründung und Frühgeschichte der Gesellschaft Jesu, des heutigen Jesuitenorden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2006
Gut geschrieben und recherchiert ist diese Loyola-Biografie schon, lobt Rezensent Kersten Knipp, sie halte sich aber auch ein wenig zu eng an die nackte Chronologie. So fehle es Autor Helmut Feld manchmal am nötigen analytischen Fernblick, insbesondere dort, wo historische Bezüge zum Verständnis wichtig wären. Beispielsweise habe die Gewissenserforschung zeitgleich auch in der Inquisition Karriere gemacht oder der Gehorsam bei der militärischen Abwehr der Mauren. Helmut Feld konzentriere sich dagegen auf die religiöse Innenwelt Loyolas und auf die Geschichte der Gesellschaft Jesu. Der Autor schreibt zwar aus einer religiösen Perspektive heraus, erläutert der Rezensent, doch weil sie zugleich einfühlend und auch kritisch sei, ergebe sich eine angenehm lesbare Balance. Insbesondere der legendäre "Kadavergehorsam" der Jesuiten sei Helmut Feld ein Dorn im Auge. Er findet für diesen "weder ein theologisches noch ein humanes Fundament", so der Rezensent.
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