Aus dem Englischen übersetzt von Josefine Haubold. Die Märchen und Geschichten, die wir als Kinder erzählt bekommen, prägen unsere Wahrnehmung der Welt. Was aber passiert, wenn man sich eher mit dem Biest identifiziert als mit der Schönen? Wenn jede hässliche, entstellte, behinderte Märchenfigur als böse gilt, verhöhnt und bestraft wird - wie kann sich das Biest dann jemals ein Happy End erhoffen? Amanda Leduc untersucht Märchen in Text und Film, von den Brüdern Grimm über Hans Christian Andersen bis zu Walt Disney und "Game of Thrones". In den Geschichten erkennt man das Gute stets an seiner Schönheit und das Böse an seinem entstellten Körper.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2021
Weshalb abendländische Märchen "Ausdruck ableistischer Ideologie" ist, lässt sich Rezensent Klaus Birnstiel von der kanadischen Autorin Amanda Leduc auseinandersetzen. Ableismus, lernt Birnstiel von der Autorin, ist die Bewertung von Menschen anhand ihrer Fähigkeiten, oder kurz: Behindertendiskriminierung. Unsere Märchen - von den Grimm-Varianten bis zu den Disney-Adaptionen sind insofern Ausdruck dieser Diskriminierung, als dass physische und psychische Andersartigkeit stets nur als sensationelles Defizit ausstellen, und das Ziel des andersartigen Einzelnen immer die Verwandlung ist - vom hässlichen Frosch zum Märchenprinzen. Nun könnte man natürlich ein paar Prinzessinnen Brillen aufsetzen und die Helden in Rollstühle setzen, worauf laut Kritiker sicherlich auch demnächst noch irgendjemand kommen wird, doch damit sei es nicht getan, meint er. Was es braucht, ist eine neue Erzähltradition, die nicht mehr zwischen Norm und Abweichung unterscheidet, so der Rezensent. Leducs These mag zunächst recht steil erscheinen, ihre Argumentation jedoch ist so nachvollziehbar, dass der Kritiker nie wieder ein Märchen so lesen wird wie vor der Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.04.2021
Rezensentin Susanne Billig ist erstaunt, dass es nicht längst ein solches Buch gibt. Die kanadische Autorin Amanda Leduc, selbst seit frühester Kindheit hinkend, hat sich Märchenwelten von Grimm und Andersen über Walt Disney bis Games of Thrones angeschaut, um Figuren mit körperlicher oder geistiger "Besonderheit", wie die Kritikerin schreibt, aufzuspüren und zu analysieren. Billig begegnet hier Menschen mit Buckeln, Däumlingen oder Mischwesen aus Igel und Mensch, die alle die Erfahrung der Diskriminierung eint. Wie Leduc ihre Analysen mit eigener Erfahrung und aktuellen Debatten anreichert und dabei "lebendig", aber nie betroffen schreibt, findet die Rezensentin bemerkenswert.
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