Angela Carter

Die blutige Kammer

Erzählungen
Cover: Die blutige Kammer
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432419
Gebunden, 237 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Maren Kames. Mit einem Nachwort von Mithu Sanyal und Illustrationen von Julia Kissina. Väter, Bestien, Werwölfe - die Frauen in Märchen haben seit jeher kein einfaches Los. In Angela Carters Nachdichtungen von etwa Blaubart, Der gestiefelte Kater oder Die Schöne und das Biest wird die traditionelle Rollenverteilung nicht nur umgekehrt, sondern in die Luft gejagt. Hier werden Frauen zu Tigerbräuten und Schöne zu Biestern, Erlkönige mit dem eigenen Haar erwürgt und Werwolfsgroßmütter von ihren Enkelinnen erledigt. Die Antiheldinnen und Heldinnen dieser Märchen sinnen in gleichem Maße auf Rache, wie sie nach Liebe streben. Angela Carter ist die Godmother der feministischen (Horror-)Literatur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2025

Einen "großartigen feministischen Klassiker" hat Rezensentin Meike Feßmann mit dieser Neuauflage von Angela Carters Märchen-Adaptionen vor sich: Mit Freude am Slapstickhaften wie am Grotesken dreht sie Motive der Grimmschen Märchen "durch den Fleischwolf". Die titelgebende Erzählung etwa ist eine "Blaubart"-Anverwandlung, in der die Ich-Erzählerin sich mit ihrem deutlich älteren Mann zu seinem Schloss begibt, wo sie sich fast bereitwillig von ihm manipulieren lässt, bis ihre Mutter in letzter Sekunde angerast kommt und ihrem Schwiegersohn in den Kopf schießt, erfahren wir. "Der gestiefelte Kater" ist eine der Geschichten, in denen das Menschliche und das Tierische munter miteinander verschmelzen, was von Maren Kames "umwerfend" übersetzt wird, wie Feßmann lobt. Vieldeutig, blutig und garantiert großartig findet sie diese Geschichten, die von Julia Kissina überzeugend illustriert werden und die hoffentlich dazu beitragen, dass Angela Carter auch in Deutschland wiederentdeckt wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2025

Rezensentin Eva Behrendt ist ziemlich glücklich mit dieser Neuübersetzung von Angela Carters Horror-Märchenadaptionen, die Maren Kames kunstvoll und launig ins Deutsche gebracht hat: In zehn Anverwandlungen der Grimm'schen Geschichten stapft der gestiefelte Kater "wollüstig wie eine Lakritzschnecke" durchs Leben und macht sich über die falsche Zurückhaltung der Menschen lustig, die ihre körperlichen Begierden dann doch nicht unterdrücken können. Besonders gefallen Behrendt aber auch die Frauenfiguren, etwa in einer Blaubart-Nacherzählungen, in der die Ich-Erzählerin in letzter Sekunde von ihrer Mutter gerettet wird, die Blaubart in den Kopf schießt. Erzählerische Archetypen erscheinen der Kritikerin als "kulturelle Kostüme", die bei Carter an- und ausziehbar sind und die in diesem Band in der Mischung aus Horror, Porno und Märchen höchst emanzipiert und mit praller Sprache einfach großen Spaß machen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.04.2025

Rezensent Maximilian Mengeringhaus ist überglücklich, dass Angela Carters an Märchen angelehnte Erzählungen in der Übersetzung von Maren Kames endlich wieder auf Deutsch zugänglich sind. Hier wird Schneewittchen "auf Links" gedreht und auch die Anverwandlungen von Ritter Blaubart oder auch Goethe sind schnippisch-frech und "bis zum Zerbersten" aufgeladen mit Metaphern und burlesken Schilderungen, lobt er. Gut gefällt ihm , wie Geschlechterbilder auf den Kopf gestellt werden, wenn Blaubart erschossen wird oder ein Werwolf sich eigentlich nur nach Liebe sehnt. Aber besonders gut findet er, dass sich auch die Frauenfiguren wehren und weder einfach als Opfer einsortiert werden, noch einer gängigen feministischen Interpretation unterworfen werden. Für den Kritiker ein wunderbar kluges, facettenreiches Buch, "inbetörendem Sinne parfümiert", das hoffentlich den Beginn einer Carter-Renaissance markiert.

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