Aus dem Englischen von Frank Heibert. Die aus Bulgarien eingewanderte Nadja Danon ist an Krebs gestorben. Ihr Mann Albert, Steuerberater von Beruf, versucht nach deren Tod, sich vom schweren Gewicht der Trauer zu befreien - vielleicht mit Hilfe seiner ehemaligen Kollegin Bettine Carmel? Denn auf seinen Sohn Enrico kann er nicht zählen: Der hat sich nach Tibet aufgemacht in der Hoffnung, im ganz Fremden sich zu entdecken. Herauszufinden, wie das Leben sich zu leben lohnt, versucht auf ihre Weise seine Freundin, die Drehbuchautorin Ditta. Zwar hat sie einen Lover, Giggy, und auch der Filmemacher Dubi ist hinter ihr her, aber sie muß unbedingt in Alberts Haus einziehen. So bilden sich Dreiecksbeziehungen heraus, die überrasche Änderungen erfahren. Doch sind sie der Ursprung neuer Wendungen, in denen alles Alte abfällt und die Gegenwart um ihrer selbst willen gelebt wird. "Allein das Meer ist noch da, und auch das hat sich gewandelt von blau in grau."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2002
Mit diesem Roman präsentiert der israelische Schriftsteller und Literaturprofessor Amos Oz seiner Leserschaft etwas Neues, meint Stefana Sabin. Denn einerseits arbeite Oz mit traditionellen Erzählformen, die er andererseits mit freien Versen "konterkariere" und damit die Lesegewohnheiten gründlich irritiere. Erzählt werde hier "minimalistisch", obwohl der Autor das Werk als Roman ausgebe, so die Rezensentin. Über den Inhalt des Roman hält sich Sabin bedeckt, mehr Faszination stellt sich bei der Rezensentin über die Form ein. So messe der Autor der Landschaft als "Abbild emotionaler Zustände" eine Bedeutung bei, wie Sabin es in seinen vorangegangenen Werken noch nie erlebt hat. Die "postmodernistische Übung", in der Oz zwischen Realismus, Psychologismus und Expressionismus, zwischen Prosa und Lyrik, zwischen "salopper" und "prätentiöser" Sprache wechsle, hält die Rezensentin, so ihr Resümee, für einen lesenswerten und interessanten Entwurf "emotionaler Befindlichkeit".
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