Wo von seelischen Wunden und Verwundbarkeit die Rede ist, kommen immer auch Gewalt, Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit zur Sprache, ebenso wie gesellschaftliche und staatliche Verantwortlichkeit. Deshalb sind Trauma-Diskurse immer auch politisch - lassen sich jedoch nie auf den Faktor Politik reduzieren. José Brunner veranschaulicht die Vielfalt, die die Politik des Traumas auszeichnet, anhand einer Reihe von Fallstudien zum psychischen Leiden von Opfern von Sexualgewalt, US-amerikanischen Vietnam-Veteranen, Afghanistan-Heimkehrern der Bundeswehr, deutschen Kriegskindern, ehemaligen politischen Inhaftierten der DDR sowie im Nahost-Konflikt traumatisierten Palästinensern und Israelis. Sie dienen dazu aufzuzeigen, wie Trauma-Diskurse und ihre politischen Dimensionen grundsätzlich neu gedacht werden können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2014
José Brunner untersucht in "Die Politik des Traumas" anhand verschiedener Studien zu Vietnam- und Afghanistanveteranen und Opfern des Israel-Palästina-Konflikts den Umgang, den die jeweiligen Gesellschaften mit den Traumata pflegen, wie die konkreten Fälle in psychologische Konzepte "übersetzt" werden, und wie diese schließlich über Literatur und Medien in der breiten Öffentlichkeit ankommen, berichtet Alexandra Belopolsky. Leider gehen in Brunners Darstellung einige wesentliche Facetten der Debatte verloren, bedauert die Rezensentin. Zum Beispiel übernehme er unkritisch die Gleichbehandlung von Tätern und Opfern, unterschlage häusliche Gewalt in seinen Untersuchungen und ignoriere die anhaltenden Folgen des Holocausts auf die Wahrnehmung und Wirkung des Israel-Palästina-Konflikts, zählt Belopolsky auf.
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