Lavie Tidhar

Maror

Thriller
Cover: Maror
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518473979
Gebunden, 639 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Conny Lösch. Eine Autobombe in einer Seitenstraße von Tel Aviv. Ein Diamantenraub in Haifa. Bürgerkrieg im Libanon. Rebellenkämpfer im kolumbianischen Dschungel. Ein Doppelmord in Los Angeles.Wie hängt das alles zusammen? Das weiß nur Cohen, ein Mann, der sein Land liebt. Ein vernünftiger Mann für unvernünftige Zeiten. Maror ist die Geschichte eines Krieges um die Seele eines Landes - es ist eine wahre Geschichte. All diese Dinge sind passiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2024

Lavie Tidhar erzählt in diesem Buch Rezensentin Maria Wiesner zufolge in beeindruckender Manier die jüngere israelische Geschichte mithilfe von Erzählungen um Mord und Totschlag. Der Polizist Cohen taucht in allen 18 Kapiteln auf, aus denen der Roman besteht, lernen wir, nicht immer ist klar, ob er tatsächlich noch auf der Seite von Recht und Gesetz steht, bisweilen erinnert er an einen Racheengel. Wiesner geht ausführlicher auf ein Kapitel ein, in dem es um einen Frauenmord geht, der Cohen auch zehn Jahre später keine Ruhe lässt. In jedem Kapitel steht, führt die Rezensentin aus, eine andere Figur im Zentrum, auch der Erzählstil wechselt oft. Insgesamt fügen sich die Erzählungen, in denen es unter anderem auch um Diamantenraub, Drogendeals und Immobilienspekulationen im Westjordanland geht, laut Wiesner zu einem ohne Sentimentalität gezeichneten Bild eines Landes, das von Verbrechen und Gewalt geprägt ist. Das ist alles sehr gut konstruiert, findet Wiesner, jedes Schicksal wird seinem logischen Ende zugeführt, nur der Frieden stellt sich nicht ein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.05.2024

Der in London lebende Israeli Lavie Tidhar setzt in seinem Roman einen korrupten Polizisten ein, um eine Geschichte der Gewalt in der israelischen Gesellschaft zu schreiben, erklärt Kritikerin Katharina Granzin. Mit vielen wechselnden Figuren und Handlungsorten ist das Buch gespickt, die Handlung erstreckt sich von 1974 bis 2008 und ist für die Rezensentin aufgrund der raschen Wechsel nicht immer ganz einfach zu verstehen. Was sich für sie aber durchsetzt, ist der Eindruck, dass Armeemitglieder in Israel quasi unanfechtbar, sind, auch die Polizei ist in etliche Verbrechen verstrickt und vertrauen sollte man höchstens sich selbst. Eine "vernichtende Kritik am israelischen Staatsapparat", urteilt Granzin, die vom episodenhaften und verwirrenden Handlungsgeflecht nicht ganz überzeugt zu sein scheint.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.05.2024

Was die Leserschaft in diesem gewaltigen Politthriller erwartet, kündigt der Titel schon an: "Maror" ist hebräisch und bedeutet so viel wie "bittere Kräuter", es wird zum Anfang des Pessach-Festes verspeist, um an das ägyptische Exil zu erinnern. Bitteres Kraut ist es auch, das dem Rezensenten Tobias Gohlis in Lavie Tidhars Roman verabreicht wird. Und es gemahnt ebenso an eine Vergangenheit voller Schrecken, voller Krieg, Gewalt und Hass, so Gohlis. Wie Israel "stärker, moderner, aber auch archaischer" wurde "durch Verbrechen" werde hier erzählt. Tidhar beschreibe diese Verbrechen in mehreren Episoden eindringlich, präzise, reportagenhaft und, wie er selbst meint: wahrheitsgemäß. Im dunklen Zentrum des Geschehens, als verbindendes Glied zwischen den Episoden steht ein Mann namens Cohen, der vieles sein kann und zu sein bereit ist - Waffenschmuggler, Räuber, Mörder, Landbesetzer - was immer er für sein Land für notwendig hält. Gemeinsam ergeben diese Episoden ein brachiales historisches Krimi-Epos, so der Rezensent.
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