Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.05.2000
André Gorz, einer der letzten verbliebenen Theoretiker der alten Linken, fordert in seinem Buch mit aller Entschiedenheit den Auszug aus der Arbeitsgesellschaft. Rezensent Hermann Kocyba hingegen fällt es schwer, sich für eine klare Einschätzung von Gorz Thesen zu entscheiden. Er diagnostiziert eine Radikalisierung in Gorz Entwicklung: in den 60er Jahren schien diesem Autonomiegewinnung des Einzelnen innerhalb der Arbeitsgesellschaft noch möglich, heute sieht er im Entstehen einer neuen Dienstbotengesellschaft die Unmöglichkeit zu autonomer, kreativer Tätigkeit. Kocyba kritisiert einerseits eine reduktionistische Auffassung von Soziologie bei Gorz, lobt ihn aber andererseits für den Mut, im Zeitalter einer sich in bloßen Standortdebatten erschöpfenden Kritik die kapitalistische Arbeitsgesellschaft radikal in Frage zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2000
Rolf Lamprecht erkennt Gorz` Versuch an, zum Nachdenken über andere "mögliche Welten" anzuregen. Allerdings verhehlt er nicht, dass er Gorz` Ideen zu einer Neubewertung von Arbeit für sehr weltfremd hält. Er kritisiert, dass Gorz seine Vorstellungen von einer Arbeitswelt an einem Idealtyp von Menschen orientiert, der sich trotz monatlichen Grundeinkommens in der Gesellschaft engagiert und der keinen finanziellen Anreiz nötig hat, sich zu motivieren. Das kann der Autor zwar nachvollziehen, wenn es um Tätigkeiten geht, für die sich immer jemand findet, der Spass daran hat. Bei der Müllabfuhr sehe das schon anders aus. Grundsätzlich hält es Lamprecht jedoch für überaus sinnvoll, sich - gerade angesichts der aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt - Gedanken über die Bewertung von Erwerbstätigkeit und "eigentlicher" Tätigkeit (wie zum Beispiel, der nicht bezahlten Arbeit, Kinder zu erziehen) zu machen.
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