Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2004
Achim Landwehr entdeckt etliche interessante Aspekte in dieser Studie über die frühen Vorläufer der Polizei, die weitaus umfassendere Regelungen des Lebens vornahm, als es die moderne Polizei tut . Es ging dabei nicht nur um die Kontrolle wirtschaftlicher Strukturen und verwaltungstechnischer Aspekte gesellschaftlichen Zusammenlebens, sondern die Kompetenzen und Regelungen - Vorläufer der modernen Gesetze - reichten auch in Bereiche hinein, die man heute dem Privatleben zuordnen würde. Allein in der schwach besiedelten Markgrafschaft Baden-Durlach wurden zwischen 1690 und 1803 genau 2.888 Verordnungen erlassen. Trotzdem führte das nach Erkenntnis des Rezensenten keineswegs dazu, "dass hier ein absolutistischer Staat eine politisch passive Bevölkerung einer rigiden Disziplinierung unterworfen hätte". Der Autor Andre Holenstein führt nach Landwehrs Meinung auf eine differenzierte Weise aus, wie zentral "die Kommunikation zwischen Obrigkeit und Untertanen" war. Daraus entstand ein "komplexer Handlungszusammenhang, in den Mitglieder der Regierung, lokale Amtsträger, aber eben auch die Untertanen selbst eingebunden waren" und durch den ausgehandelt wurde, welche "kulturellen Ordnungsleistungen" der Staat übernehmen sollte - und damit auch die Weichen für die Ordnungspolitik in den entstehenden Nationalstaaten stellte. In Landwehrs Augen ist es "alles andere als ein Zufall", dass derartige Forschungen ausgerechnet jetzt verstärkt angestellt werden - wo sich der Staat, wie wir ihn kennen, doch in Auflösung befindet.
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