Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Dieser vergnügliche Roman erzählt die Geschichte des Bauern Zosimo, der im Jahr 1718 in Sizilien zum König gekrönt wird. Ein echter Camilleri: komisch, fantasievoll, verschroben, deftig und spannend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2003
Ein "wunderbarer Roman", dieser "König Zosimo", schwärmt der mit "rtr" zeichnende Rezensent. Beim Stöbern in der sizilianischen Geschichte sei Andrea Camilleri fündig geworden: Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch das savoyische Königshaus im Jahr 1718 sei es in Sizilien einige Tage lang zu einer Art Volksherrschaft gekommen, die kurzerhand den Bauernsohn Michele Zosimo zum König von Agrigento ausrief. Soweit die Geschichte. Bei Camilleri gehe es natürlich anders zu, erzählt der Rezensent: Der sizilianische Bauersohn Zosimo, der schon bei seiner Geburt schallend lachte, wird aufgrund seiner Intelligenz zum König bestimmt. Doch als er mit der Umverteilung des Reichtums beginnt, erregen sich die Gemüter und Zosimo endet am Galgen. "Mit der Geste des Chronisten" und in der Art der sizilianischen "cunti popolari" zeichne Camilleri eine "Sozialutopie am Vorabend der Aufklärung", die nur so wimmele von "Teufelsaustreibern" und "Heiligen". Auch sprachlich gerate der Roman zum wahrhaftigen "Karneval": Italienisch, Französisch, Spanisch und Latein werden vom Romanpersonal fröhlich zusammengesponnen, was den "bravourösen Übersetzer" zu wahren "Höchstleistungen" angespornt habe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2003
Mit dem "König Zosimo" hat der vor allem durch seine Sizilien-Krimis bekannt gewordene Andrea Camilleri sein Fach gewechselt und sich in die Historie begeben, genauer gesagt in das von Spanien beherrschte Sizilien des späten siebzehnten, frühen achtzehnten Jahrhunderts. Es herrscht also viel Elend und Gemeinheit, denn die einheimischen und zugewanderten Blutsauger aus Adel und Kirche malträtieren die Bevölkerung gleichermaßen, wie Rezensentin Sabine Brandt ausführt. Das intellektuell riesige Landarbeitersöhnchen Zosimo vernimmt den Schrei des geschundenen Volkes und folgt ihm. "Kann das lustig sein?", fragt sich die Rezensentin. "Es kann", antwortet sie, und reiht den König Zosimo umstandslos in die Gesellschaft von Simplicissimus, Felix Krull und Oskar Matzerath ein. Aber ganz zufrieden ist die Rezensentin dann doch nicht. Allzu sehr fühlt sie sich durch die aufgebotene "Fülle schlimmer Menschenquälereien" in Gefühlsnote gestürzt. Ausgesprochen ungnädig äußert sie sich zur Übersetzung, die sie an dem Ehrgeiz scheitern sieht, altes Italienisch in barockes Deutsch zu übertragen.
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