Olivier Kamm ist Anfang vierzig, Rechtsmediziner und beruflich ganz oben angekommen. Eines Tages findet er sich in einem geschlossenen Raum wieder, kann sich aber nicht erklären, wo und warum. Er glaubt, in einer Gefängniszelle einzusitzen, und vermutet, dass es bald zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird. Mit Rollenspielen, die ihn schon als Kind oft aus misslichen Situationen retteten, bereitet Kamm sich darauf vor. Dabei kommen bruchstückhafte Erinnerungen wieder, Fragmente dreier Geschichten. Da ist die Episode in Lappland, als er aus Angst, selbst in Schwierigkeiten zu geraten, einen anderen ins Gefängnis gehen ließ; da ist sein Vater, der sich nach Thailand absetzte; und da ist die Freundin, die im gemeinsamen Urlaub ertrank. Kamm erliegt einer Täuschung nach der anderen, und am Ende kommt es nicht nur für ihn zu einem überraschenden Ausgang.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2013
Das ist Literatur für Martina Läubli. Das Ich infrage zu stellen, diese Aufgabe leistet der dritte Roman von Andrea Gerster für Läubli auf beklemmende, zugleich spannende Weise mit Elementen des Krimis. Wenn die Autorin den Grenzbereich zwischen Normalität und Verbrechen anhand ihres Helden, eines früheren Rechtsmediziners und nunmehrigen des Mordes Beschuldigten, erkundet, kommt es Läubli zunächst wie ein Gedankenexperiment vor. Schließlich kommen Figuren und Schauplätze ins Spiel und werden von Gerster so nüchtern wie gekonnt angeordnet, bleiben laut Läubli jedoch täuschend uneindeutig.
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