Wie keine andere Behörde repräsentierte das Auswärtige Amt Kontinuitätslinien, die aus dem Kaiserreich über die NS-Zeit bis in die Bundesrepublik reichten. Dennoch entwickelte sich ein Auswärtiger Dienst, der bald für eine neue deutsche Diplomatie stand und sich einer Außenpolitik verpflichtete, die konsequent mit der Vergangenheit brach. Andrea Wiegeshoff fragt, wie der Aufbau eines neuen Amts überhaupt gelingen konnte, und nimmt dabei besonders die Diplomaten der jungen Bundesrepublik in den Blick. Die Autorin spürt anhand von 30 ausgewählten Akteuren des Diplomatischen Dienstes den Wandlungs- und Anpassungsprozessen im Bonner Amt der 50er und 60er Jahre nach. Sie erzählt keine Erfolgsgeschichte, sondern legt ambivalente und komplexe, individuelle wie institutionelle Entwicklungen frei, beschreibt das Zusammenspiel von aufrichtigem Umdenken, opportunistischer Anpassung und dem unbeeindruckten Festhalten an traditionellen Annahmen und Gewohnheiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2013
Eine neue Richtung in der Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit politischer Entscheider im Nachkriegsdeutschland weist diese Untersuchung der Historikerin Andrea Wiegeshoff laut Manfred Görtemaker. Der Rezensent attestiert der Autorin sowohl die richtigen Fragen zu stellen, als auch überzeugende Erklärungen dafür anzubieten, wie die ideelle Neuorientierung im Auswärtigen Amt nach '45 vonstatten ging. Dass Wiegeshoff weder die SS- und NSDAP-Belastung der Diplomatenschaft bestreitet noch die Traditionen im AA, sondern nüchtern und differenziert anhand einzelner Diplomatenbiografien den Wandel nachvollzieht, erscheint Görtemaker als der richtige Weg.
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