Verbrecher Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783957326492 Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
In nahezu allen Gesellschaftsbereichen erleben wir derzeit einen rasanten Anstieg von Antisemitismus. Darauf weisen aktuelle Forschungsergebnisse ebenso hin wie Statistiken von Melde- und Beratungsstellen wie RIAS und OFEK. Besonders bemerkenswert ist die Zunahme judenfeindlicher Vorfälle in alternativen und sich progressiv gebenden Milieus, die sich in ihrer Selbstwahrnehmung oftmals immun gegenüber solchen Tendenzen wähnen. In diesem Buch fragen sich die Autor:innen, wie eine Subkultur wie Punk, deren Geschichte und Gegenwart maßgeblich auch von jüdischen Protagonist:innen geprägt wurde und wird, anfällig für antisemitische Dynamiken werden konnte? Inwiefern setzen sich Punks gegen Antisemitismus zur Wehr? Wie erleben jüdische Punks - auch in Deutschland - die Entwicklungen seit dem Siebten Oktober? Was macht Subkulturen wie Punk dennoch auch für Juden und Jüdinnen noch immer attraktiv? Kann Punk ein Reservoir sein, für eine Kritik und Bekämpfung des Antisemitismus auf der Höhe der Zeit? Mit Beiträgen von Michael Croland, DVMP, Lara Dvorah, Jonas Engelmann, Georg Gläser, Itty Minchesta und Ulrich Gutmair, Nikolas Lelle, Monty Ott, Oz Ozon und vielen mehr.
Mit viel Gewinn liest Rezensentin Rosa Budde diesen von Andreas Borsch und Tobias Johann herausgegebenen Sammelband, der sich mit dem Verhältnis von jüdischer Identität und Punk beschäftigt. Punk war, zeigt unter anderem Michael Croland in seinem Beitrag auf, gerade in den USA durch Bands wie die Ramones oder Black Flag stark jüdisch geprägt. Eine komplexe Frage ist dabei, wie sich der ironisch-antiautoritäre Gestus des Punk mit dem Judentum vertragen - manchmal mussten sich jüdische Punks erst von der Religion lösen, um Teil der Szene zu werden, in anderen Fällen verband sich jüdischer Witz auf produktive Weise mit dem Punk-Gestus. Auch auf die israelische und die deutsche Punk-Szene geht der Band ein sowie auf die Verwerfungen, die auch die Punk-Szene seit dem 7. Oktober 2023 erlebt. Die Ausführungen zum Antisemitismus der britischen Musikszene, die Klaus Walther unternimmt, leuchten Budde nicht in jeder Hinsicht ein - leider konzentriert er sich stark auf die Kritik queerer Hamas-Fans. Besser macht es Tina Sanders, die aufzeigt, dass die mangelnde Empathie mit jüdischen Opfern, die auch im Hardcore-Punk der letzten Jahre zu beobachten ist, durchaus zum aggressiven Gestus der Szene passt. Insgesamt, so das Fazit, ergibt das einen reichhaltigen Band, der sowohl als Liebeserklärung an eine Subkultur als auch als deren kritische Befragung funktioniert.
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