Die erste Auflage des Katalogs "too much future - Punk in der DDR" erschien 2005 anlässlich der aufsehenerregenden Ausstellung "too much future" in Berlin und war innerhalb weniger Tage vergriffen. Jetzt wird es eine neue überarbeitete und erweiterte Auflage geben, sie ist zweisprachig in Deutsch und Englisch. Schwerpunkte sind die Szene in Ostberlin und in Leipzig, doch auch der Punk außerhalb dieser Zentren, also etwa aus Dresden, Erfurt und Weimar, wird einbezogen. Alle Autoren des Bandes, u.a. Bodo Mrozek, Bert Papenfuß und Cornelia Schleime waren der Szene direkt oder indirekt verbunden. Die Texte behandeln die Anfänge der Punkbewegung, die seltsame Konstellation von Punk und Kirche in der DDR, die Repressionsgeschichte durch die Verfolgung seitens der Staatssicherheit sowie die Wirkung, welche Punk auf den Kunst-Underground bzw. Hintergrund ausübte.
Dem ehemaligem, "leicht veränderten" Ausstellungsbegleitband zur Punkbewegung in der DDR entnimmt Andreas Hartmann zweierlei. Erstens erkennt er, wie "universalistisch" Punk war, weil hüben wie drüben wilde Frisuren den Ton angaben und Verweigerung die angesagte Haltung der Szene war. Zweitens aber wird für den Rezensenten deutlich, dass es fundamentale Unterschiede im Umgang des jeweiligen Establishments mit den Outlaws gab. Der "erbitterten" Bekämpfung, wie sie die Autoren Boehlke und Gericke aus eigener Erfahrung schildern, und die Perspektive einer verplanten Zukunft im Osten kontrastieren laut Hartmann mit dem westlichen Slogan von "no future" und der geschickten Vereinnahmung der Bewegung als Trend. Für ihn verarbeitet der Reader Geschichte, die auch die Entwicklungen der heutigen Bundesrepublik reflektiert: Sozialer Notstand und Kontrolle.
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