Andreas Möller

Die Unterschätzten

Warum sich unsere Zukunft auf dem Land entscheidet
Cover: Die Unterschätzten
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783737102346
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Nicht erst seit die Landwirte mit ihren Treckern 2024 die Straßen lahmlegten, wurde deutlich: Stadt und Land sind auseinandergedriftet. Wir befinden uns in einem Kulturkampf, der besonders vom Frust über ein Machtgefälle befeuert wird: Die Stadt sagt, wie das Land zu sein hat. Doch diese Spaltung lebt von beiderseitigen Klischees, und sie ist gefährlich angesichts der aktuellen Herausforderungen - von der Ernährungs- und Energiesicherheit über den demografischen Wandel bis zum Klimaschutz.Andreas Möller widerspricht der Erzählung von den wirtschaftlich und gesellschaftlich rückständigen Regionen, und er macht klar: Unsere Zukunft entscheidet sich auf dem Land, wo wichtige Ressourcen liegen und fast die Hälfte der Deutschen lebt. "Das" Land ist weder abgehängt, noch lässt sich der Strukturwandel durch Transformationsrhetorik beheben. Möller führt uns eine Schieflage vor Augen, die weite Teile unserer Wirtschaft und Industrie umfasst, und legt dar, wie viele Stimmen in den Debatten um die "richtige" Zukunft fatalerweise übergangen wurden. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.05.2026

Der hier rezensierende Historiker Florian Keisinger empfiehlt das Buch von Andreas Möller über die gesellschaftliche und ökonomische Kluft zwischen Stadt und Land und die Notwendigkeit, diese zu überbrücken. Der Autor hinterfragt laut Keisinger die Klischees auf beiden Seiten und verdeutlicht, dass die Unterschiede zwischen Städtern und Landbevölkerung nicht nur den Osten Deutschlands betreffen. Warum sich der ländliche Raum abgehängt fühlt und was dagegen unternommen werden kann, um nicht den sozialen Zusammenhalt zu verlieren und die Demokratie weiter zu gefährden, erklärt Möller anschaulich, findet Keisinger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2026

Wichtig ist dieses Buch, findet Rezensentin Anne Kokenbrink. Denn tatsächlich macht die Landbevölkerung, über die Andreas Möller hier schreibt, ein ganzes Drittel der deutschen Gesamtbevölkerung aus - in öffentlichen Diskussionen dominieren jedoch meist städtische Perspektiven. Möller wendet sich nun dem Land und dem Gefühl der Landbewohner zu, dass über sie hinweg entschieden wird, etwa wenn es darum geht, die Energiewende umzusetzen. Besonders gefallen der Rezensentin jene Passagen, in denen die Thesen durch konkrete Erfahrungen veranschaulicht werden, etwa wenn sich Möller mit einem Jugendfreund unterhält, der als Landwirt arbeitet und ihm von Stolz und Druck erzählt. Wichtig findet sie zudem, dass Möller deutlich gegen das Narrativ der Abgehängten anschreibt: Familienbetriebe, Werkstätten, Maschinenbauer und Höfe sind ebenso Wirtschaftsmotoren Deutschlands, erinnert er. Eine Ermunterung der Landbewohner zum Handeln vermisst die Kritikerin zwar, als faktenreichen, illusionslosen Appell einander auf Augenhöhe zu begegnen und als wichtiges "Gegengift gegen den Kulturkampf" a la USA, empfiehlt sie das Buch aber nachdrücklich. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.04.2026

In manchen Details findet Rezensentin Claudia Fuchs dieses Buch interessant, gleichzeitig erscheint ihr manches von dem, was Andreas Möller über die Landbevölkerung schreibt, tendenziös. Der ostsozialisierte Historiker und Großstadtbewohner Möller glaubt, dass die Sorgen der Landbevölkerung im politischen Alltag zu wenig berücksichtigt werden. Fuchs wendet dagegen ein, dass viel von dem, was Möller über die Probleme von Landwirten schreibt, auch, zum Beispiel, auf Pflegepersonal zutrifft. Wenn er über die politische Instrumentalisierung von Umweltschutz durch Grünen-Politiker schreibt, argumentiert Möller außerdem ungenau, findet Fuchs. Überhaupt finden sich viele Zitate aus tendenziell konservativen bis wirtschaftsnahen Publikationen, linksliberale oder gar linke Zeitungen werden hingegen kaum oder gar nicht ausgewertet. Hier und da hat Möller schon einen Punkt, gibt Fuchs zu, etwa wenn er darauf verweist, dass die Abwicklung alter Betriebe im Osten viele Menschen hart getroffen hat. Aber insgesamt hat Fuchs den Eindruck, dass der Graben zwischen Stadt und Land realistisch betrachtet längst nicht so tief ist, wie Möller ihn beschreibt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.04.2026

Als "differenziert, aber dezidiert" lobt Rezensent Marc Reichwein Andreas Möllers Buch zum Thema "land grabbing" und Stadt-Land-Gefälle. Der Autor, der in diesem Themenbereich schon einiges veröffentlicht hat, zeigt darin auf, was aktuell in der Energiewende falsch läuft: So gehe der "Umbau" der Landwirtschaft weg von der Nahrungsmittelproduktion hin zur Energieerzeugung vorrangig auf Kosten der Landwirte und der ländlichen Bevölkerung. Und die Kosten seien nicht nur materielle, nämlich der konkrete Flächenverlust für Lebensmittelanbau, der uns allen zu denken geben sollte, liest Reichwein, sondern auch ideelle: ausführlich komme der Autor auf die städtische Arroganz und Bevormundung gegenüber der "Provinz" zu sprechen. Wie Möller diese Problemlage sachkundig und zahlengesättigt darlege und die Notwendigkeit betont, sich auch in der Politik auf die Nahrungserzeugung zurückzubesinnen und die Verantwortung der Energieerzeugung gerecht zu verteilen, findet der Kritiker nur richtig und überzeugend dargestellt. Wie diese Rückbesinnung auch auf die "sinnliche Erfahrung" des Landlebens genau von statten gehen soll, erfährt er allerdings nicht. Trotzdem ein inhaltlich gut gearbeitetes und überzeugend vorgetragenes Plädoyer für die Relevanz der Landwirtschaft, lobt er.

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