Ein junger schweizer Philosoph, der noch dazu im tiefen Osten Deutschlands lebt, tritt hier mit souveräner Chuzpe auf den Plan. Es ist kein manirierter Einfall, daß dieses Buch sich Dictionnaire nennt, statt, wie andere seiner Art, ein Philosophisches Wörterbuch. Denn es ist nicht zum Nachschlagen da, sondern zum Lesen. Damit huldigt der Verfasser einer verlorengeglaubten Tradition und Vorläufern wie Pierre Bayle und Voltaire. Diese Philosophen schrieben nämlich weniger für ihre Kollegen als für ein Publikum, das gewohnt war, außerhalb der Seminare zu denken. Unter den Stichworten des Dictionnaires findet sich neben Gott, Genom und Emanzipation auch der Bauch des Philosophen, ferner Duzen, Sex, Klatsch und Schweizer Banken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2002
Kein Buch für Hüter des akademisch Wahren, Guten und Schönen, befindet der "upj" zeichnende Rezensent nach der Lektüre von Andreas Urs Sommers "Die Kunst, selber zu denken". Dem Rezensenten hat das Buch trotzdem oder gerade deshalb gefallen. Der Titelzusatz "philosophischer Dictionnaire" weckt bei ihm Erinnerungen an Bayles Dictionnaire (1697) sowie an dessen kleineren Bruder, den Dictionnaire philosophique portatif (1764) aus der damals anonymen Feder Voltaires. Doch auch wer in der enzyklopädischen Literatur nicht zu Hause sei, lese mit Gewinn in diesem jüngsten philosophischen Wörterbuch. Schließlich führt der in Greifswald lehrende Philosoph, freut sich der Rezensent, "seine mit Kenntnis und reichlich Witz gesegnete Feder nicht zuletzt auch gegen das verschwenderisch phantasielose akademische Schuldenken der Gegenwart".
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