Im Jahr 1923 gab Richard Coudenhove Paneuropa als Parole gegen die drohende "wirtschaftliche Gefahr" aus den USA und gegen die "bolschewistische Gefahr" aus dem Osten aus. Sein Charisma und vor allem sein Optimismus waren für ihn das Entree in die höchsten Regierungskreise Europas, zu den Wirtschaftstreibenden und Intellektuellen. Obwohl es Coudenhove nicht gelang, Paneuropa politisch, wirtschaftlich oder kulturell zu etablieren, überlebten die Ideen des Visionärs und Idealisten den Zweiten Weltkrieg und sind teilweise in der Europäischen Union aufgegangen. Basierend auf dem Aktenbestand des Moskauer Archivs bietet der Band eine erste Gesamtdarstellung des Menschen Coudenhove-Kalergi und der Paneuropa-Bewegung, liefert Informationen, verifiziert und falsifiziert Meinungen über Coudenhove und seine Bewegung und bietet eine Reihe von Anknüpfungspunkten für weitere Forschungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2005
Ein paneuropäisches Zentralbüro, so etwas gab es zwischen den beiden Weltkriegen in Wien. Dieses Büro und die Idee "Paneuropa" würden von der Autorin als "Avantgarde für die Europäische Union" eingestuft, referiert Rezensent Andreas Rödder. Eine solche Einschätzung ist ihm allerdings suspekt, denn die "historisch-politischen Bedingungen" seien heute völlig andere. Mit einer Parallelsetzung bestehe die Gefahr, so Rödder, Handlanger einer "ritualisierten" und "geradezu teleologischen" Rhetorik von Europa zu werden, die "handfeste Macht- und Interessenpolitik" heutzutage notorisch kaschiere. Die Paneuropa-Bewegung müsse dagegen "entmythisiert" werden, und genau das leiste dieses geschichtswissenschaftliche Buch trotz der unscharfen Quintessenz, urteilt ein konzilianter Rezensent. Im Grunde sei die Paneuropa-Bewegung die Initiative eines exzentrischen Einzelgängers gewesen, auf der ganz persönlichen Grundlage eines verquasten "Ästhetizismus" und "fanatischen Antibolschewismus". Graf Richard Nikolaus Coudenhoven-Kalergi hieß der Mann, der es fertig brachte, vier Paneuropa-Kongresse zu organisieren, an denen nur ein einziger Politiker teilgenommen habe.
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