Eine Geschichte, die auf recherchierten Belegen und Aussagen von Zeitzeug:innen basiert und von realen Personen handelt: Der Schauspieler, Regisseur und Schauspiel-Dozent Raphael-Maria Goldstein entdeckt, er stamme nicht aus der gutbürgerlichen Duisburger Unternehmerfamilie, vielmehr sei er als Kind adoptiert worden. Seine Mutter, die Auschwitz-Überlebende Esther Goldstein, verrät ihm nur zögerlich, wer sein Vater ist: Otto Frank, der Vater von Anne Frank. Er entschließt sich nicht nur über die Odyssee um seine Herkunft, sondern auch über sein bewegtes berufliches Leben in der Welt von Theater und Film zu schreiben. Als er das Manuskript beendet hat, stirbt er. Eine Freundin seiner Witwe übernimmt das Manuskript, prüft seine Dokumente, spricht mit Weggenoss:innen, recherchiert. Und nach und nach offenbart sich ihr das Ausmaß dieser unglaublichen Lebensgeschichte. Nichts ist, wie es scheint, aber vieles scheint, als ob es so gewesen sein könnte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.03.2024
Auch Anja Scherz möchte in ihrem Buch über Hans Burger, der gern Raphael Goldstein gewesen wäre, kein abschließendes Urteil fällen, so Rezensent Arno Orzessek. Burger, der behauptete, als jüdisches Waisenkind in einer nichtjüdischen Duisburger Familie aufgewachsen zu sein, wurde im Alter mangels passender Dokumente der Lüge überführt, woraufhin sich Anja Scherz, wie Orzessek es darstellt, für die Geschichte zu interessieren begann. Ihr Buch enthält, lesen wir, einerseits ihren eigenen Recherchebericht, andererseits greift sie Auszüge aus den gefälschten autobiografischen Schriften Burgers auf. Interessant ist an dieser Geschichte, so Orzessek, dass kaum jemand aus Burgers Umfeld ihm die Lüge übel nahm und von vielen Bekannten weiterhin als harmloser Hochstapler dargestellt wird. So oder so ist dieser falsche Raphael Goldstein jetzt Teil einer ausgesprochen deutschen Tradition des Fake-Judentums, meint der Rezensent.
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