H.G. Adler gilt als Mitbegründer der Wissenschaft von der Shoah. Sein Buch "Theresienstadt 1941-1945" setzte Maßstäbe für die historische Erforschung des Holocaust. Dichter wie Hermann Broch und Elias Canetti, Philosophen wie Theodor W. Adorno und Hannah Arendt, religiöse Denker wie Gershom Scholem und Martin Buber wurden entscheidend beeinflusst durch Adlers Analyse des Ghettos, das ein Modell des nationalsozialistischen Staates liefert. Werke wie "Der verwaltete Mensch" und "Die Freiheit des Menschen" befestigten Adlers Ruf. Als ehemaliger Auschwitz-Häftling verstand er, was die Lyrik nach 1945 noch zu sagen vermochte. In zahllosen Dichtungen versuchte er, die Erlebnisse in der Zeit der Verfolgung zu meistern. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust entfaltete sich nach dem Krieg in der erzählenden Prosa Adlers, vor allem in den Romanen "Panorama", "Eine Reise" und "Die unsichtbare Wand". H.G. Adler ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Prager Schriftsteller der Generation nach Franz Kafka. Neben den umfangreichen historiografischen Arbeiten Adlers stellt das Heft dessen literarische und poetologische Leistungen in den Mittelpunkt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2004
Der "Jdl" zeichnende Rezensent ist "Text + Kritik" überaus dankbar für diesen Band zu H. G. Adler, der bis heute bedauerlicherweise weitgehend unbekannt geblieben sei. Neben seiner "grundlegenden Studie" zu Theresienstadt habe der KZ-Überlebende Adler als Autor versucht, "Literatur und Wissenschaft als Gesamtheit" zu betrachten und sei dabei vor allem im Londoner Exil nach dem Krieg überaus produktiv gewesen. Interessante Beiträge und "luzide Studien" gingen dem Schriftsteller und seinem Werk nach und seien des Autors durchaus würdig.
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