Mit Illustrationen von Annabelle von Sperber. Die Rosenstraße in Berlin: Hier wurde Geschichte geschrieben, als 1943 der einzige friedliche und öffentliche Widerstand gegen die Nazi-Diktatur stattfand. Hunderte Frauen demonstrierten tagelang für die Freilassung ihrer jüdischen Männer, zusammen mit den gemeinsamen Kindern - und hatten am Ende mit ihrem Straßenprotest tatsächlich Erfolg. Anja Tuckermann erzählt in diesem Kindersachbuch die Geschichte der kleinen Doris, deren Vater von den Nazis verschleppt wird, und dem Bangen der ganzen Familie, ob sie den Vater wiedersehen werden. Sie erzählt von Doris' Mutter, die zusammen mit vielen anderen Frauen mutig gegen die Inhaftierung protestiert - unter Einsatz ihres Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2026
Der einzige wirklich öffentliche Protest gegen die Deportation deutscher Juden fand 1943 in der Berliner Rosenstraße statt, liest Kritikerin Christine Knödler in dem Kinderbuch, das Anja Tuckermann geschrieben und Anna von Sperber illustriert hat. Tuckermann hat sich, basierend auf gründlicher historischer Recherche, die Familie Gumpel ausgedacht, der Vater ist Jude, die Mutter nicht, die Kinder erleben Schikanen und Ausgrenzung, sehen die NS-Verbrechen, während sie passieren, noch ohne sie wirklich einordnen zu können, so Knödler. Die Erklärungen dazu liest sie in den Sachtexten, die die Autorin beifügt. Dass sich (vorwiegend nichtjüdische) Menschen 1943 gegen die Deportationen gewehrt haben, ist heute fast vergessen, wahrscheinlich ist auch die Scham der anderen, nicht gegen das Regime protestiert zu haben, dafür verantwortlich, überlegt die Rezensentin. Umso wichtiger, dass Tuckermann die Erinnerung hochhält, schließt sie.
Anja Tuckermann hat ein tolles Kinderbuch über eine erfolgreiche Widerstandsaktion in der NS-Zeit geschrieben, freut sich Rezensentin Dina Netz. Es geht um Proteste im Berlin des Jahres 1943 gegen die Verhaftung jüdischer Menschen, die, meist als Ehepartner von Nichtjuden, noch in Deutschland geduldet wurden. Vor allem Angehörige versammelten sich vor dem Gebäude, in dem die Betroffenen vorläufig interniert wurden, und es gelang ihnen tatsächlich, sie wieder frei zu bekommen, wobei viele der Freigelassenen später zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Tuckermann beschreibt die Ereignisse aus der Perspektive eines fiktiven Mädchens, dessen Vater die Deportierung droht. Gut gefällt Netz, wie Tuckermann diese Erzählhandlung mit Sachtexten kombiniert, um ein junges Publikum an die Vergangenheit heran zu führen. Überhaupt ist die Gestaltung sehr gelungen, so die Rezensentin, nicht zuletzt dank Annabelle von Sperbers Illustrationen, die historisch gut recherchiert und lebendig gemalt sind. Eine runde Sache, so das Fazit.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…