Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. Der Maler Camille Pissarro (1830-1903) war einer der Begründer der seinerzeit revolutionären französischen Malschule, die sich gegen die Sehkonventionen der akademisch-realistischen Malerei wandte. Er war eng befreundet mit Monet und Renoir, Mary Cassatt und Berthe Morisot, Unterstützer von Cézanne, Gauguin und van Gogh und wurde als der Älteste der Gruppe von seinen Freunden liebevoll "Vater des Impressionismus" genannt. Und doch fühlte er sich zeitlebens auch als Außenseiter in der Künstlerszene. Auf einer Antilleninsel in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren, prädestinierte den jungen Mann nichts dazu, Maler zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.07.2024
Rezensent Thorsten Jantschek lernt viel über Camille Pissarros Leben und Werk aus Anka Muhlsteins Buch. Pissarro stand, zeichnet Jantschek mit Muhlstein nach, im Zentrum der Gruppe der Impressionisten, die die französische Kunstwelt des 19. Jahrhunderts mit ihrer Alltagsmalerei schockierten, heute jedoch mit Blockbusterausstellungen gefeiert werden. Muhlstein zeichnet, so der Rezensent nach der Lektüre, das Leben eines Mannes nach, der, als Kind jüdischer Eltern geboren, aus dem Familienbetrieb aussteigt und sich fortan der Malerei widmet, insbesondere in Form von Serien von Straßenmotiven. Auch über die lange Zeit prekären ökonomischen Verhältnisse, in der Pissarro und seine Familie lebten, erfährt Jantschek von Muhlstein viel, wie auch über die Rolle, die der Kunsthändler Paul Durand-Ruel im Leben des Künstlers spielte. Insgesamt ein Buch, schließt Jantschek, das Lust auf die nächste Impressionisten-Ausstellung macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2024
Rezensentin Bettina Wohlfarth liest die von Anka Muhlstein verfasste Biografie über den Maler Camille Pissarro mit Interesse. Sie erfährt unter anderem, dass Pissarro künstlerisch zu den weniger zugänglichen Impressionisten gehörte, aber ein ausgeglichener und geselliger Mensch war. Dass die Historikerin Muhlstein vor allem den reichen Briefwechsel des Malers als Quelle nutzt, erscheint Wohlfarth sinnvoll, hat ihrer Meinung nach aber auch zur Folge, dass der Band eher ein menschliches Porträt geworden ist, weniger ein Buch über das Werk und die künstlerische Entwicklung Pissarros. Zu erleben ist laut Rezensentin ein "moralisch aufrichtiger" Mann mit pädagogischer Ader, der als Mittler innerhalb der disparaten Impressionisten-Gruppe wirkte, die die starren Regeln der Akademie brechen und "das Licht festhalten" wollte.
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