Herausgegeben von Rudolf Haag. Anna Haags 'Lebensgeschichten' spannen einen weiten Bogen vom Ende des 19. bis in die Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts. In Stimmungsbildern und Alltagserlebnissen gibt sie Aufschluss über eine Epoche großen Wandels der Lebensführung und der Weltanschauungen, über eine Epoche großer Erschütterungen, die vom Ersten Weltkrieg in Inflation, Depression, in die Barbarei des 'Dritten Reiches' und in den Zweiten Weltkrieg führte. Anna Haag vermittelt Einblicke in die Jahre des Wiederaufbaus und des bundesdeutschen 'Wirtschaftswunders', dessen militärische 'Aufwertung' sie mit großem Misstrauen betrachtete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2004
Beeindruckt zeigt sich Babette Heusterberg von den Erinnerungen Anna Haags, 1888 - 1982, die sich von der unpolitischen Hausfrau zur Frauenrechtlerin, Pazifistin, Politikerin und Schriftstellerin wandelte. Der von ihrem Sohn Rudolf Haag herausgegebene Band eröffnet zur Freude der Rezensentin "neue Einsichten in die Gedanken- und Gefühlswelt" von Anna Haag. Neben Teilen ihrer bereits 1968 unter dem Titel "Das Glück zu leben" erschienenen Lebenserinnerungen bietet der Band Heusterberg zufolge auch ein eigenständiges Kapitel des Herausgebers, das Haags Lebenserinnerungen nuanciere: Haags Sicht werde darin durch die Eindrücke der Kinder reflektiert. Den "bedeutendsten Abschnitt" des Buches sieht Heusterberg aber in den Auszügen aus Haags zwischen Mai 1940 und Mai 1945 entstandenen Tagebuchaufzeichnungen. Diese Auswahl enthalte Eintragungen über besondere persönliche Ereignisse und streife nahezu alle wichtigen Themen aus der Geschichte des "Dritten Reiches". Das Resümee der Rezensentin: "Man möchte mehr davon lesen."
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