Die Frauenrechtlerin, Sexualreformerin und Pazifistin Helene Stöcker (1869-1943) gehörte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den bekannten Kulturpolitikerinnen in Deutschland. Sie entwickelte die Philosophie einer "Neuen Ethik", stritt für den Anspruch von Müttern auf Schutz und Fürsorge des Staates und setzte sich als Publizistin und gut vernetzte Pazifistin ein für Gewaltfreiheit, Kriegsächtung, Humanität und internationale Verständigung. Sie war führend in verschiedenen pazifistischen Verbänden und Frauenorganisationen tätig (u.a. in der vor hundert Jahren gegründeten Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit), ohne jemals einer Partei anzugehören. Ihr Einsatz für Demokratie und Menschenrechte sowie gegen den Nationalsozialismus zwang sie noch im März 1933 in die Emigration.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2015
Hedwig Richter fragt sich, wie jemand wie Helene Stöcker in Vergessenheit geraten konnte. Vielleicht liegt es ja an Stöckers Fantasien über lebensunwertes Leben oder ihrer Intoleranz gegenüber ihren Mitstreiterinnen. Die Diskrepanz zwischen derartigen Ansichten und dem Witz und der Klugheit in den im Band enthaltenen Briefen und Schriften der Frauenbewegten fällt Richter auf. Stöckers fragmentarische Lebenserinnerungen wieder scheinen ihr gestelzt. Insgesamt lesenswert wird das Buch für sie offenbar erst durch die Ergänzungen zu Leben und Werk Stöckers durch die Herausgeber und die beigefügten Texte einer streitbaren Intellektuellen der Kaiserzeit und der Weimarer Republik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2015
Karl Holl ist beeindruckt von diesem von Reinhold Lütgemeier-Davin und Kerstin Wolff herausgegebenen Band mit autobiografischen Texten und Dokumenten der Frauenrechtlerin und Pazifistin Helene Stöcker. Stöckers Profil tritt dem Rezensenten daraus klar hervor, ein Glücksfall für die Genderforschung, meint er. Die Edition überzeugt ihn nicht zuletzt durch ihre kompetenten Kommentare und die biografischen Informationen, die ihm insbesondere das umfangreiche Personenregister erschließen. Die Darstellung der Recherchearbeit im Band scheint ihm eine kluge Ergänzung zu sein.
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