Herausgegeben von Christel Berger. Im April 1947 kehrte Anna Seghers aus dem mexikanischen Exil nach Berlin zurück. Ihre bislang unveröffentlichte Korrespondenz aus dieser Zeit zeigt nicht nur die ganz persönliche Seite der Autorin, sondern beschreibt auch all die Probleme der Heimkehr einer Emigrantin in ein zerstörtes Land. Sie leidet unter der Fremdheit, Kälte und Verwahrlosung der Menschen und weiß nicht, ob sie bleiben soll. Andererseits reflektieren die Briefwechsel - mit Gisl und Egon Erwin Kisch, Nico Rost, Bruno Frei, Marieluise Fleißer, Stephan Hermlin oder mit den Verlegern Fritz H. Landshoff, Curt Weller und vielen Lesern - aber auch das bestätigende Gefühl, gebraucht zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2000
In einem großen Artikel zum hundertsten Geburtstag Anna Seghers` kommt Agnes Hüfer auch auf den Briefband "Hier im Volk der kalten Herzen" und auf den ersten Band von Christiane Zehl Romeros Seghers-Biografie zu sprechen. In beiden Bänden, so legt die Rezensentin dar, erscheint das Jahr 1947 als entscheidende Zäsur im Leben der Erzählerin.
1) "Hier im Volk der kalten Herzen. Briefwechsel 1947"
1947 war das Jahr, in dem Seghers sich entscheiden musste, ob sie nach Deutschland heimkehren oder ob sie lieber weiter im Exil leben wollte. Darum begrüßt Hüfner die Herausgabe der Briefe aus eben diesem Jahr, die Aufschluss geben über die Beweggründe und Ängste der Erzählerin. Hüfner zitiert in ihrem Artikel ausgiebig aus diesem von Christel Berger edierten Band, den sie einen "kleinen, sehr reichen Briefband" nennt, und bedauert allenfalls, dass Seghers` Erben die Briefe an die engsten Familienangehörigen noch von der Veröffentlichung ausschließen.
2) Christiane Zehl Romero: "Anna Seghers - Eine Biografie 1900 bis 1947"
Anders als andere Rezensenten, die Seghers` politische Haltung nach dem Krieg kritisierten, steht Hüfner diesem ersten Band von Zehl Romeros Biografie sehr aufgeschlossen und freundlich gegenüber. "Zuneigung und wissenschaftliche Ambition", so schreibt sie, gingen hier "eine glückliche Verbindung" ein. Dass die so politische Autorin zum stalinistischen Terror schwieg, bezeichnet Hüfner als "ausgeprägte Zurückhaltung von Anna Seghers in puncto privater, politischer und parteipolitischer Äußerungen", die sie mit der Biografin "in Ehren" hält. Allerdings bemerkt sie auch, dass die Traumatisierung durch den Nationalsozialismus die "kommenden künstlerischen, persönlichen und politischen Entscheidungen" verdunkeln. Hier erwartet sich Hüfner Aufklärung durch den zweiten Band der Biografie.
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