Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2002
In ihrer Dissertation "Geschriebene Bilder" sucht Anne-Kathrin Reulecke nach Ansicht des mit "gna" zeichnenden Rezensenten Walter Benjamins Diktum von der "Lesbarkeit der Bilder" einzulösen. Wie der Rezensent in seiner knappen, diskursgestählten, nicht gerade luziden Besprechung ausführt, untersucht sie dafür so unterschiedliche Romane wie Peter Handkes "Die Lehre der Sainte-Victoire", Gert Hofmanns "Blindensturz", Erica Pedrettis "Valerie oder Das unerzogene Auge" oder die "Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss, und kommt zu dem Schluss, dass darin die "sozialen Kosten" zur Sprache kommen, "welche die professionelle Distanz des Malers zu seinem Modell verursacht". Wenn aber Handke und Pedretti gegen diese Distanz mehr Unmittelbarkeit fordern, tappen sie laut Rezensent leicht in die "Gender-Falle": "Eine vermeintlich unmittelbare Natur", schreibt der Rezensent, "wird zum (weiblichen) Gegenpol der abstrahierenden Kunst." Dann gibt er sich Reulecke gegenüber kritisch: Sie nehme den Bezug dieser Werke zu den neuen Medien als Ausgangsinteresse in Anspruch, ohne ihn indes wirklich zu zeigen. Immerhin gelingt ihr laut Rezensent dafür etwas anderes: nämlich eine "kenntnisreiche" Darlegung der Ästhetikdebatte des 18. Jahrhunderts!
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