In der Moderne mussten die Kriegsfürsten immer darauf bedacht sein, ihre Expansionspolitik der eigenen Bevölkerung als humanitäre oder defensive Notwendigkeit schmackhaft zu machen. Im ersten Weltkrieg sollten England, das "perfide Albion", in die Schranken gewiesen und der "Erbfeind" Frankreich niedergerungen werden. "Wir aber", so versicherte der deutsche Reichskanzler im Jahre 1915, "haben den Krieg nicht gewollt". Selbst den Überfall auf Polen im Jahre 1939 verstand Hitler als Defensivhandlung darzustellen: "Seit 4.45 Uhr wird zurückgeschossen."
Anne Morellis Buch stattet seine Leser mit dem "intellektuellen Instrumentarium" aus, die "medial verstärkte" Kriegspropaganda zu durchdringen, lobt Rudolf Walther. Die belgische Autorin habe anhand des Ersten und Zweiten Weltkriegs, des Kalten Krieges und der jüngsten Kriege bis zum Irakkrieg die Mechanismen untersucht, mit denen die Kriegsparteien jeweils ihren Standpunkt als 'gerechte Sache' vertreten, teilt der Rezensent mit. Bei ihrer Analyse hat sich die Historikerin auf die Bücher von Lord Ponsonby von 1930 und Georges Demartial von 1922 zur Kriegspropaganda gestützt, in denen bereits "zehn Prinzipien" der Propaganda aufgeführt werden, die Morelli noch mal "prägnant formuliert" vorführt, so Walther anerkennend. Die Dämonisierung des feindlichen "Führungspersonals" und eine "schlichte Schwarz-Weiß-Mythologie", die die eigenen Kriegsgründe und -Mittel im Gegensatz zur Gegenpartei als gerecht herausstellt, gehört zum typischen Arsenal der Kriegspropaganda bis heute, stellt der Rezensent fest.
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