Herausgegeben von Christian Fleck und Bernd Stiegler. Unter Mitarbeit von Joachim Heck und Maren Neumann. "Man erfährt nichts vom realen historischen Geschehen, wenn man die politischen Parolen und die zur Schau getragenen Gesinnungen für bare Münze nimmt." Mit diesem Satz eröffnet Siegfried Kracauer seine große, bislang unpublizierte Abhandlung "Totalitäre Propaganda". Sie bildet einen der Höhepunkte dieses Bandes, der erneut die enorme Bandbreite von Kracauers Schaffen eindrucksvoll dokumentiert. Die Texte, die überwiegend im amerikanischen Exil geschrieben wurden und nun zum großen Teil erstmals oder erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht werden, zeigen Kracauer als brillanten Analytiker von Propagandapraktiken in Filmen, Radiosendungen und Werbespots. Dabei steht zunächst die faschistische und nationalsozialistische Propaganda im Vordergrund, aber mit den Zeitläuften ändert sich auch Kracauers Blick. So verfasst er im Auftrag von Paul Lazarsfelds Bureau of Applied Social Research nicht nur zahlreiche Berichte über qualitative Sozialforschung, sondern auch das Buch "Satellitenmentalität", in dem er die politische Einstellung von Bürgern in Ländern des damaligen Ostblocks untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.08.2012
Mit Siegfried Kracauers "Studien zu Massenmedien und Propaganda" findet die Werkausgabe nach Ansicht von Rezensent Jörg Später nun einen "würdigen Abschluss". Eingehend berichtet er über die Schwierigkeiten des Feuilletonisten, Soziologen und Kritikers, im Exil zurechtzukommen und an das von Max Horkheimer in New York geleitete Institut für Sozialforschung anzudocken. Wie Später berichtet, waren die "Studien zu Massenmedien und Propaganda" eine Auftragsarbeit, die dank Adornos Vermittlungen zustande kam. Allerdings habe Adorno das Ergebnis dann nur bedingt gefallen, Kracauer habe die von Adorno redigierte Fassung aber abgelehnt. Der Rezensent wertet Kracauers Studien über die nationalsozialistische und faschistische Propaganda und ihr Verhältnis zur sozialen Realität dagegen als "originelles Werk", auch wenn der Text gelegentlich ausufere.
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