Sie waren vor den Nazis geflohen. In Camp Ritchie, Maryland, wurden sie zu Experten für psychologische Kriegsführung ausgebildet. 1944 kehrten sie als Amerikaner zurück nach Europa - in geheimer Mission. Niemand kannte den Feind besser als die Ritchie Boys, seine Stärken, seine Schwächen. Ihr Auftrag in der Zeit vom D-Day in der Normandie bis zur deutschen Kapitulation: die Erforschung der psychischen Situation des Gegners und die Lähmung seiner Widerstandskraft.
Den Einblick, den dieses Buch in die Arbeit der "Ritchie Boys" - Exil-Deutsche, die im Auftrag der amerikanischen Regierung psychologische Kriegsführung gegen Hitler-Deutschland betrieben - liefert, findet Benjamin Weinthal ausgesprochen spannend. Der Inhalt eines Dokumentarfilms aus dem vorletzten Jahr wird hier noch mal neu aufbereitet, Regisseur Christian Bauer hat sich zu diesen Zweck mit der Autorin Rebekka Göpfert zusammengetan. Das Buch rekonstruiert die Motivationen, die Hoffnungen und Enttäuschungen der Exilanten. Der Fokus liegt auf den weniger prominenten unter den Ritchie Boys - also eher auf dem Germanisten Günther (Guy) Stern als auf Klaus Mann. Ärgerlich findet Weinthal nur, dass der Untertitel den falschen Eindruck vermittelt, dass die Ritchie Boys als Spione gearbeitet haben: "Das ist ein Marketing-Trick, der allerdings ein antisemitisches Vorurteil bedient: Die Juden agieren konspirativ."
Für Bernd Greiner "lebt" dieses Buch, das zu einem Dokumentarfilm über deutsche Flüchtlinge in den USA, die später für die US-Armee nach Deutschland zurückkehrten, entstand, von der darin dokumentierten "zivilisatorischen Haltung in Zeiten der Barbarei". Das Buch greift aus den zahlreichen Biografien des Dokumentarfilms die Geschichte der "Ritchie Boys" heraus, die im Camp Ritchie in Maryland für die Army in "psychologischer Kriegsführung" ausgebildet wurden und Verhöre deutscher Kriegsgefangener durchführten, fasst der Rezensent zusammen. Der Band macht deutlich, was es für die Männer bedeutet haben muss, in das Land zurückzukehren, in denen ihre Angehörigen ermordet worden waren, und ihren ehemaligen Landsleuten dennoch mit Versöhnung zu begegnen, lobt Greiner, der dies als das "bleibende Verdienst" des Buches herausstreicht. Die "Richie Boys" hatten zudem den Ruf, den Gefangenen gegenüber stets den "Respekt" zu wahren und auf verbreitete Mittel wie Folter und Drohungen zu verzichten, so Greiner weiter, der hier - er spielt auf die Guantanamo-Folterungen der jüngsten Zeit an - eine "ungewollt aktuelle Pointe" entdeckt.
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