Aus dem Amerikanischen von Michaela Grabinger. Die Schlüsselmomente ihres Lebens kann Willa an einer Hand abzählen:
1967 kehrt sie nach der Schule zurück, und ihre launische Mutter hat ohne ein Wort des Abschiedes die Familie vorübergehend verlassen. Als sie 1977 einen Heiratsantrag bekommt, wird sie vor die Wahl gestellt, ihr Studium fallenzulassen. Und 1997 ist sie bereits eine junge Witwe und versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen.
2017 erfährt Willa, dass die Exfreundin ihres Sohnes angeschossen wurde, und setzt sich umgehend in den Flieger nach Baltimore. Die impulsive, scheinbar unwesentliche Entscheidung, für diese Frau, die sie persönlich noch nie getroffen hat, und ihre elfjährige Tochter zu sorgen, führt Willa in unbekanntes Territorium - umringt von einer bunten Schar Nachbarn und in tägliche Rituale verwickelt, hat sie endlich mal wieder das Gefühl, gebraucht zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2018
Vom Guardian wurde Anne Tyler einmal als "größte lebende Romanautorin" bezeichnet, weiß Rezensent Werner von Koppenfels und verzichtet auf ein eigenes Urteil. Lieber fasst er den Plot von Tylers 22. Roman zusammen: Erzählt wird in vier Zeitabschnitten - 1967, 1977, 1997 und 2017 - die Geschichte der scheuen Willa Drake, die nach zwei gescheiterten Ehen mit eher mäßigen Männern von Arizona in die "schäbige" Vorstadtidylle von Baltimore zieht und dort zwischen liebenswürdigen Außenseitern aufblüht. Tylers lakonischer Erzählton scheint dem Kritiker gefallen zu haben, in jedem Fall findet er ihn treffend von Michaela Grabinger übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.07.2018
Sylvia Staude gibt zu, dass Anne Tyler nicht zu den rasend spektakulären Erzählerinnen gehört. Allerdings schätzt Staude Tylers unaufgeregten Ton und eleganten Sätze, ihre Fähigkeit, Kitsch zu vermeiden und Dinge zwischen den Zeilen stehenzulassen. Die an sich wenige berauschende Geschichte einer fest im amerikanischen Alltag und in der Ehe eingespannten Frau, die ihrem Leben nach einem unerwarteten Ereignis eine geringfügig neue Wendung zu geben vermag, erklärt Staude, zeigt Tyler als meisterhafte Erzählerin der Nuancen und feine Ironikerin.
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