Der Umbau der Gesellschaft nach erbbiologisch-rassistischen Ordnungsideen war ein Hauptziel nationalsozialistischer Politik. Dabei kam der auf "Rassenhygiene" programmierten Gesundheitspolitik eine Schlüsselrolle zu. Annemone Christians untersucht diesen Politikbereich am Beispiel Münchens, der sogenannten "Hauptstadt der Bewegung". Im Vordergrund stehen dabei Kooperationen und Konflikte städtischer Stellen und ihre Folgen für die gesundheitspolitische Praxis der Münchner "Erb- und Rassenpflege". Die Autorin nimmt Fürsorge- und Verfolgungshandeln gleichermaßen in den Blick und verdeutlicht damit die charakteristische Ambivalenz der NS-Gesundheitspolitik. Dieser Ansatz der Untersuchung legt Brüche und Kontinuitäten in Gesundheitsdefinitionen, Personalpolitik und Verwaltungsstrukturen frei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2014
Reiner Pommerin begrüßt diesen von Annemone Christians besorgten Band zu den Aktivitäten des Münchener Gesundheitsamtes zur Zeit des Nationalsozialismus. Die aus einer Untersuchungsreihe des Stadtarchivs und des Historischen Seminars der LMU zur Rolle der kommunalen Ämter der Stadt München 1933-1945 hervorgegangene Arbeit bedeutet Pommerin, dass Kommunen in der NS-Zeit durchaus Handlungsspielräume besaßen. Dies belegt die Autorin laut Pommerin mit Quellenmaterial etwa zur Einstellungs- und Entlassungspraktik von Kommunalbeamten. Auch die Rolle des Gesundheitsamtes in der "Erb- und Rassenpflege" kann die Autorin dem Rezensenten aufzeigen.
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