Franz Jung war ein schwieriger Mann: zerstörerisch, entwurzelt, streng gegen sich und die anderen. Er war nicht nur Kommunist, Schiffsentführer, Literat und Börsenfachmann, er war unstet in seinen Liebesbeziehungen wie in seinen Wohnorten und Beschäftigungen. Annett Gröschner versetzt uns in die Kindheit seines Sohnes Peter im Berlin der 30er Jahre. Sie beschreibt die Stationen der Flucht vor den Nazis, die die Familie nach Genf, Wien und Budapest verschlägt, und schließlich in das New York der fünfziger Jahre, wohin Peter seinem Vater als 16jähriger folgte. Hatte Franz Jung seine Autobiografie "Der Weg nach unten" genannt, so ist der Werdegang Peter Jungs ein Weg nach oben. In New York löst er sich von der schwierigen Vaterfigur und beginnt sein eigenes Leben. Als Manager in der Ölbranche wird er ein Weltenbummler bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 25.03.2004
Jan Hendrik Wulf gratuliert Annett Gröschner zu ihrer Dokumentation des Vater-Sohn-Konflikts zwischen Franz und Peter Jung. Aus Tonbandinterviews mit Peter Jung, Zeitzeugenberichten, Lebensdokumenten und eigenen Eindrücken vor Ort habe sie eine "mehrstimmige" Biografie von Vater und Sohn destilliert. Es bleibe letzten Endes offen, ob hinter den Gedächtnislücken, die der Sohn in der Erinnerung an den schwierigen Vater zeige, eine Einsicht in das Vergängliche oder der Schmerz des unausgetragenen Konflikt stecke. "Glücklicherweise" ist das Material so "geschickt" arrangiert, dass sich die Vater und Sohn eigene Unsicherheit bezüglich des gegenseitigen Verhältnisses auch dem Leser offenbart, lobt Wulf.
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