Aus dem Französischen von Holger Fock. Menschen, die man geliebt hat, verschwinden, die Weltrevolution zerbröselt zu Staub wie ein vertrockneter Kuhfladen, im schwarzen Raum trifft man die Personen nicht mehr, die man geliebt hat, die Golems brechen einer nach dem anderen zusammen, der Lauf der Geschichte dreht um, die Leidenschaften gleiten ab ins Nichts, die Bedeutung der Wörter löst sich in nichts auf, Volksfeinde und Mafiosi triumphieren für immer, Träume verraten die Wirklichkeit, aber der Rachedurst bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2005
Für Liebhaber des "dunklen Genres" preist Andreas Rosenfelder diesen Roman von Antoine Volodine an, der bereits das zweite auf Deutsch vorliegende Buch des französischen Autors ist. Die Geschichte spielt in der "futuristischen Ruine" eines von der Mafia kontrollierten Stadt, in der der Held Dondog auf der Suche nach Rache und seinen Feinden ist, erklärt der Rezensent. Bei unbestimmten Zeit- und Ortsangaben bleibe aber auch der genaue Grund für den Vergeltungswunsch im Dunkeln, denn die Hauptfigur könne sich nach einer längeren Lagerhaft nicht mehr recht daran erinnern und weiß auch zwischen eigener und fremder Erinnerung nicht genau zu unterscheiden, so Rosenfelder weiter. In "ebenso beklemmender wie poetischer Weise" erzählt der Roman von dieser Suche, wobei der Autor bis auf einige Ausflüge in die "avantgardistische Lyrik" sich "narratologischen Basteleien" völlig enthält, wie der Rezensent - erleichtert? - feststellt. Dass Volodine vor allem gegen Ende des Romans immer wieder literarische Selbstanzeigen" und "brechtianische Fingerzeige" einbaut um auf die Nähe seiner futuristischen Welt zu unserer eigenen aufmerksam zu machen, findet der ansonsten sehr eingenommene Rezensent allerdings gänzlich überflüssig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2005
Nach der Lektüre von Antoine Volodines neuem Roman fühlt sich Thomas Laux ziemlich ratlos zurück gelassen. Doch eines muss er dem Autor lassen. Seine "schwer bis kaum dechiffrierbare und düstere (Alb-)Traumwelt ohne geringste Zugeständnisse an Logik oder Leseerwartungen" zeugt von Mut und wird bis zum ende aufrechterhalten. Der Rezensent ist sichtlich bemüht, den Roman zu verstehen, schnappt aber nur Fetzen auf, laut denen der Protagonist Dondog dreißig Jahre in einem Lager zugebracht hat und nun nach Leuten sucht, an denen er sich rächen kann. Eine Suche, die der Meinung Laux' nach eher einem "psychedelischen Mäandern in spekulativen Grauzonen" ähnelt. Trotz, wie er zugeben muss, anschaulicher und eindringlicher Passagen kann er dem Buch nichts abgewinnen und fragt sich, ob und welche Parabel der Autor hier aufzeigen will.
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